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Über

Ich bin 49 Jahre alt, bin verheiratet , habe 3 Kinder und einen Hund. Momentan bin ich anorektisch (magersüchtig) . Hier möchte ich meine Gedanken und Ereignisse meines teilweise mittlerweile anstrengenden Alltags aufschreiben.

Alter: 50
 


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Unseren Sommerurlaub 2017

verbrachten wir dieses Jahr in der Türkei.

Wir hatten ein 5 Sterne Hotel in direkter Strandlage mit großer Poolanlage und umfangreichem Animationsprogramm gebucht. Die Verpflegung war inclusive in Form von Buffet was für mich immer am einfachsten ist. Da die Familienzimmer recht teuer waren, habe ich ein Doppelzimmer mit Beistellbett für unseren Jüngsten gebucht in der berechtigten Hoffnung auf ein Upgrade, was sich auch als möglich herausstellte.

Am Samstagmorgen holte uns ein Taxi zum Flughafen ab, die Großen und der Hund blieben wieder Zuhause und so konnten wir recht unbeschwert mit dem guten Gefühl, dass das Haus sicher und der Hund wohl versorgt sein wird in unseren Urlaub starten.

Der Flug dauerte ca. 3 Stunden, das Flugunternehmen war ein wenig „Holzklasse“ mit relativ harten unbequemen Sitzen (was mir doch etwas zu schaffen machte) und ohne kostenlose Verpflegung (was mich nicht störte – für unseren Jüngsten hatten wir eine Kleinigkeit mitgenommen).

Als wir am Flughafen in Izmir ankamen, wurde es noch etwas chaotisch, da wir den Transferbus zum Hotel lange suchen mussten und uns jeder einen anderen Abfahrtpunkt nannte. Schließlich hatten wir es dann doch geschafft und zum Glück gab es auch noch ein Fläschchen mit Wasser, da mir etwas schwindlig war, denn ich hatte seit morgens weder gegessen noch getrunken. Im Bus bin ich auf der ca. 1 stündigen Fahrt dann auch noch eingeschlafen und erst kurz bevor wir da waren wieder aufgewacht.

Dann waren wir endlich im Hotel. Die Lobby sah schon mal beeindruckend aus und wir wurden sehr freundlich empfangen. Und wie schon richtig vermutet war das Hotel nicht ausgebucht und uns wurde sofort ein Familienzimmer angeboten. Zunächst bekamen wir das Zimmer zu sehen, was wir gebucht hatten, was einen Blick in den Park hatte und relativ klein war und anschließend das Familienzimmer. Dieses war in zwei Zimmer aufgeteilt, wovon jedes ein eigenes Bad hatte und zur großen Freude unseres Sohnes auch jedes über einen eigenen Fernseher verfügte. Der Blick war von zwei dazugehörigen Balkonen direkt auf die riesige Poolanlage und das sich direkt dahinter befindliche Meer. Das war ein wunderschöner Ausblick und so zögerten wir keine Sekunde und nahmen für einen geringen Aufpreis das Familienzimmer.

Darüber war ich dann recht glücklich und war deshalb sogar noch guter Dinge als mein Mann zunächst nach einer Essensmöglichkeit Ausschau hielt, da ihn der Hunger plagte. In der kleinen Snackbar wurden wir dann fündig und so war mein Mann etwas ruhiger und wir überbrückten die Zeit bis zum Abendessen mit einer ausgiebigen Besichtigung der Hotelanlage. Diese war liebevoll angelegt mit schönem Park, einem Pool der um das ganze Hotel reichte und einem kleinen Froschteich, der mit wunderschönen Seerosen und unzähligen Fröschen liebevoll angelegt war. In der Lobby gab es noch eine riesige Bibliothek und eine Bar. Von dort aus gelangte man zu einer riesigen Terrasse und darunter war das Restaurant mit Buffet. Neben dem Froschteich war eine kleinere Snackbar und weitere Restaurants, die allerdings das Essen a la cart anboten und bei denen im voraus reserviert werden musste, was für mich nicht so wirklich machbar ist.

Am Pool entlang gelangte man noch in ein kleines Restaurant, dass für das Mittagessen Buffet anbot und hinter dem Pool waren die Sportangebote wie Bogenschießen, TRX und X-Work. Am Pool direkt gab es noch Body-Balance und Waterspinning. Der Strand war auch wunderschön und verfügte über Liegen und Sonnenschirme und das Meer war sehr klar.

Leider war es am ersten Abend recht frisch und so wurde nichts aus unseren Plänen noch kurz ins Meer zu springen. Statt dessen sind wir dann recht früh ins Restaurant. Das wurde für mich wieder etwas komplizierter da ich sehr lange brauchte um mir etwas auszusuchen und mein Mann war nicht gerade entzückt als ich mit Salat, einer Hand voll Reis und etwas Gemüse vom Buffet wieder zurückkam. Immerhin habe ich anschließend noch etwas Nachtisch gefunden, da gab es nämlich Schokoladenpudding in kleinen Gläschen und dazu konnte mein Mann mich noch überreden. Trotzdem war die Stimmung kurzzeitig dadurch wieder getrübt, was allerdings ja schon vorher klar war.

Am Abend spielte dann noch eine Band Live-Musik und so gegen Mitternacht sind wir schlafen gegangen.

Die Nacht war allerdings sehr unruhig. Wir hatten ein Boxspringbett mit einer großen Matratze. Davon abgesehen, dass der Federkern mir viel zu hart war und ich das Gefühl hatte aufgespießt zu werden, merkte man jede Regung des anderen und so versuchte jeder von uns so ruhig wie möglich zu liegen um den anderen nicht zu stören. Als wir schließlich gegen Morgen endlich erschöpft eingeschlafen waren, tönte plötzlich der Gesang des Muezzins über die Stadt und wir saßen wieder senkrecht im Bett. Um 7.30 Uhr schien mir dann die Sonne ins Gesicht und ich beschloss deshalb vor dem Frühstück den Pool auszuprobieren. Ich stupste meinen Mann und fragte ihn, ob er mit schwimmen gehen will und er murmelte schlaftrunken etwas von „bist du jetzt völlig wahnsinnig ich möchte noch schlafen“. Also bin ich alleine losgezogen und fand es total klasse. Der Pool war so riesig, dass ich eine halbe Stunde brauchte um einmal hindurch zu schwimmen. Er führte am Froschteich entlang, an Appartements vorbei und auch an der Terrasse des Restaurants wo schon einige Gäste frühstückten. Ich schwamm ausgiebig und nach einer Stunde bin ich wieder ins Hotelzimmer zurück gegangen, habe mich geduscht und mich auf den Balkon gesetzt und den tollen Ausblick genossen.

Meine Stimmung wurde allerdings wieder etwas getrübt, als mein Mann nach 10 Uhr aufstand und etwas sauer war, weil er feststellte, dass es nur noch das Langschläferfrühstück gab, da das reguläre Frühstück nur bis 10 Uhr zu bekommen war. Also mussten wir in die Snackbar und dort gab es nicht mehr sehr viel Auswahl. Leider zog sich die etwas negative Stimmung durch den Tag, da es Sonntag war, gab es kein Sportprogramm, was mich störte und mein Mann war müde und wollte nur seine Ruhe und hatte Probleme mit meinem Essverhalten, was er ja im Urlaub mehr mitbekommt als Zuhause. Einzig unser Jüngster hatte uneingeschränkten Spaß im Pool und fand schnell andere Kinder mit denen er vergnügt spielte und um die Wette schwamm.

Am Abend auf der Terrasse war die Stimmung bei uns Alten auch wieder besser und dann folgte die nächste Nacht mit wenig Schlaf, denn an das Bett haben wir uns die ganzen 14 Nächte nicht gewöhnen können, was zur Folge hatte, dass einer von uns immer mal nachts zur Hotelbar oder an den Strand wanderte oder auf dem Balkon saß, um sich nicht stundenlang im Bett zu quälen.

Nach zwei Tagen hatten wir uns eingelebt und hatten so unsere kleinen Rituale, ich bin immer morgens nach dem Aufwachen in den Pool gehüpft und bin meine Stunde geschwommen, wobei mein Mann dann doch ein paar Mal mitkam.Mein Mann ist nachmittags um 15 Uhr immer zum Bogenschießen gegangen, wobei ich nur ein Mal mit kam, da es nur einen Bogen für alle gab und dieser so schwer war, dass ich ihn nur mit Anstrengung richtig halten konnte. Zudem hatte er kein Visier und so waren meine Treffer nicht von Erfolg gekrönt, was mir so keinen Spaß machte. Dafür bin ich dann Nachmittag entweder zum TRX und zum X-Work was immer im Wechsel angeboten wurde, was meinem Mann nicht gefiel, da er sich gleich beim ersten Mal beim TRX ungeschickt bewegt hatte und sich eine Zerrung am Arm einhandelte. Zudem machte sein Kreislauf nicht so wirklich mit und er musste zwischendurch Pause machen. Ich erwähne hier mit leisem Stolz, dass ich so fit bin, dass ich immer durchgehalten habe und der Fitnesstrainer mich oft gelobt hat.

Das abendliche Animationsprogramm hatte auch einiges im Programm von der White Night bis zum Türkischen Abend und jeden zweiten Abend eine kleine Live-Band die mal mehr und mal weniger gut ihre musikalische Darbietung zum besten gab.

Wir lernten auch tatsächlich ein paar Leute kennen – 1 Familie mit einem gleichaltrigen Jungen wie unser Jüngster, einen weiteren Jungen mit seiner Mutter und ein Paar in unserem Alter. Mit diesen saßen wir abwechselnd am Abend bei den Darbietungen zusammen und hielten Small-Talk.

Die beiden Mütter, die beide übergewichtig waren, versicherten mir, dass sie schon wüssten, dass sie abnehmen müssten aber leider hätten sie keine Zeit für Sport und sie würden eigentlich nicht so viel essen. Interessanterweise kommt dieses Thema immer auf, wenn ich andere Frauen kennenlerne und mittlerweile höre ich mir das an und sage nicht viel dazu. Solange sie meine Figur nicht mit ins Spiel bringen – was einige tun nach dem Motto – ich wäre auch gerne so dünn wie Du – belastet mich das nicht und bald schon geht es dann glücklicherweise um andere Themen.

Einzig der Frau des Paars in meinem Alter war klar, dass ich anorektisch bin. Sie war Arzthelferin und Menschen die im medizinischen Bereich tätig sind, haben wohl einen anderen Blick und können das erkennen. Trotzdem war auch diese Bekanntschaft unkompliziert und herzlich.

Dieses Mal war ich recht froh andere Kontakte zu haben als nur meinen Mann und mein Kind, denn psychisch war ich sehr instabil und saß die ein oder andere Nacht alleine am Strand und überlegte was ich mit meinem Leben noch anfangen soll und war heftig am grübeln und teilweise ziemlich verzweifelt. Mit meinem Mann kann ich leider darüber nicht reden, der ist derzeit so gestresst, dass es jedes Mal zum Streit kommt, wenn es um Probleme geht und natürlich ums Essen. Deshalb lasse ich ihn derzeit und auch in diesem Urlaub damit in Ruhe und versuche irgendwie klarzukommen.

Wahrscheinlich würde er und viele andere Menschen auch nicht verstehen, dass ich mir z.B. nichts mehr gewünscht hätte doch mal die vielen Sachen des umfangreichen Buffetts zu probieren und es im ganzen Urlaub nicht geschafft habe und nur die von Ana freigegebenen Nahrungsmittel zu essen. Und dass es auch schwierig wurde, wenn beim Essen etwas anders lief als geplant. Als Beispiel – jeden Morgen aß ich ein Rührei und anschließend ein selbst zusammengestelltes Müsli das aus 2 Esslöffeln Haferflocken, 1 Esslöffel Rosinen, 5 Trockenpflaumen, 2 Esslöffel Joghurt und je nach Auswahl (das durfte variieren) Obst entweder frisch oder aus der Dose je nach dem was angeboten wurde. Zusätzlich zum Rührei gab es noch ein Stück Grapefruit. Es war schon sehr schwierig für mich, wenn z.B. jemand vor mir an den Rosinen stand und ich warten musste, da ich den Joghurt nach den Rosinen in mein Schälchen geben musste. Also dauerte es manchmal recht lange, da ich die Reihenfolge nicht spontan ändern konnte. Danach war ich immer ziemlich fertig. Auch wenn es beim Mittagessen, was bei mir aus Gurken,Tomaten, Schafskäse, Oliven und Naturjoghurt bestand, es nicht die gewohnten Schälchen gab, konnte ich nur mit Mühe das Essen auf einem Teller zu mir nehmen. Und jede Nacht sagte ich mir, dass ich am nächsten Tag bestimmt mehr Kraft hätte um mal etwas anders zu essen, was ich dann doch nicht schaffte.

Trotzdem war der Urlaub schön und irgendwie tat es trotzdem gut mal etwas anderes zu sehen und zu erleben obwohl meine Ana präsenter war als im letzten Urlaub. Vielleicht war ich auch so enttäuscht von mir, da ich hoffte dass ich schon stabiler sei, was leider nicht so war.

21.7.17 22:01, kommentieren

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Ich lebe noch

auch wenn ich schon lange nichts mehr geschrieben habe aber dafür hat mir die Kraft einfach nicht gereicht. Hört sich jetzt dramatischer an als es wohl ist aber ich fand die Zeit vor Pfingsten – vor unserem recht schönen Urlaub in der Türkei als recht stressig.

Stress machte mir dabei am meisten mein verwitweter Vater der zusehend immer verwirrter wird. Nachdem mich inzwischen mehrere Leute aus seinem Bekanntenkreis anriefen und mir schilderten, dass mein Vater wohl im Krankenhaus nach meiner Mutter fragt, habe ich – neben meinen Bemühungen ihn für das betreute Wohnen in dem echt schönen Parkwohnstift zu begeistern und ihn dort unterzubringen – einen Termin bei seinem Hausarzt zusammen mit mir gemacht.

Er willigte sogar ein und ich war etwas ungehalten als er am Morgen des Arzttermins meinte, wenn es mir Spaß mache, könne ich ihm beim Arzt „das Händchen halten“. Da habe ich ihm nicht gerade freundlich erklärt, dass ich andere Hobbies habe als ihn zum Arzt zu begleiten, was ihn dann dazu brachte nichts mehr zu sagen und sich pünktlich in der Arztpraxis einzufinden.

Beim Arzt stritt er natürlich ab, dass er verwirrt sei und willigte dann ein, dass ich für ihn einen Termin bei einem Neurologen ausmachen könne. Beim Verlassen der Praxis kam wieder die inzwischen übliche Leier, dass er nicht mehr leben wolle und er haderte zudem damit, dass er in der kommenden Woche in das Parkwohnstift gehen sollte (was er nach langem hin und her nun doch wollte) um dort 2 Wochen Probe zu wohnen.

Ich organisierte dann den Termin bei der Neurologin und bekam schon 2 Tage später einen Termin (Papa ist schließlich Privatpatient, da geht so einiges, wie ich jetzt hautnahe mitbekomme). Als ich am Morgen zum vereinbarten Termin in die Praxis kam und auch mein Vater recht pünktlich dort war, war ich freudig überrascht, dass eine von meinen Mitturnerinnen im Turnverein die Ärztin ist, was ich nicht wusste, da wir uns ja nur mit Vornamen ansprechen und auch der Beruf kein Thema ist. Sie machte einen Test mit ihm und wollte, dass er noch in die Klinik zum MRT geht. Auch da gab es für den ehemaligen Beamten und Privatpatient wieder sehr schnell einen Termin.

Danach galt es das zweite Unterfangen – die 2 Wochen Probe wohnen im Parkwohnstift zu organisieren – da er Montag Morgen dort sein sollte, sind mein Mann und ich am Sonntag zu ihm gefahren um ihm mit dem packen zu helfen. Ich hatte ihm telefonisch angekündigt, dass wir kommen und ihm gesagt er solle schon mal anfangen zu packen und schauen, dass er genügend Wäsche für den Anfang hat. Als wir kamen, war er fest davon überzeugt, dass er dort ja nicht übernachten würde und keine Sachen bräuchte, gleichzeitig sprach er davon, dass er ja nun seine Wohnung kündigen müsse. Seine Wohnung war zudem wieder im chaotischen Zustand und seinen Kühlschrank, den ich inzwischen schon mehrmals entmüllt und ausgewaschen hatte, wollte ich lieber nicht sehen, dass wollte ich dann machen wenn er im Parkwohnstift ist. Wir schaffen es dann doch einen kleinen Koffer zu packen und sagten ihm, dass wir ihn am nächsten Morgen abholen würden.

Als wir am nächsten Morgen ankamen, hatte er den Koffer wieder ausgepackt und hatte beschlossen zwar dort hin zu gehen aber nicht zu übernachten. Nachdem wir ihm wieder erklärt haben, dass er schon 2 Wochen dort hin soll und es wie ein Urlaub sein soll, konnten wir, wenn auch unter erschwerten Bedingungen packen – er wollte dann plötzlich noch seine Stereoanlage und seinen Fernseher mitnehmen. Nach über einer Stunde haben wir es dann geschafft ihn dort hin zu bringen. Beim Verlassen der Wohnung trafen wir noch auf 2 Nachbarn, die es gut fanden, dass er dort hin geht und die ihm versicherten, dass er sich dort wohlfühlen würde. Mein Vater war aber trotzdem nicht so wirklich begeistert und ging mit einer sehr bedrückten Miene ins Wohnstift.

Mit entsprechender Miene betrat mein Vater dann zusammen mit uns die Einrichtung und schon bald kam die nette Mitarbeiterin, mit der mein Vater 2 Wochen zuvor den Antrag auf Probewohnen ausgefüllt hatte und zeigte ihm gleich sein liebevoll hergerichtetes Appartement das zudem noch einen herrlichen Blick vom Balkon in den liebevoll gestalteten kleinen Park hatte. Selbst mein Vater fand das jetzt gar nicht so schlecht und da alles sehr lange gedauert hatte, begleitete ich ihn noch in den Speisesaal da schon Zeit zum Mittagessen war. Auch dort wurde er freundlich empfangen und man zeigte ihm seinen Platz. Der Mitarbeiter dort fragte ob ich mitessen wollte, was ich allerdings verneinte. Dann erklärte er meinem Vater, dass es jeden Tag ein 4-Gänge-Menue gäbe. Daraufhin meinte mein Vater, der figurmässig ein „Strich in der Landschaft“ ist, dass er dann ja aufpassen müsste, dass er nicht zu dick werde. Das war dann ein Volltreffer, denn der Mitarbeiter schaute uns beide sehr verwundert an und ging dann leicht Kopfschüttelnd weg um noch Besteck zu holen. Trotz allem war mein Vater dann gleich in ein Gespräch mit einem Mann am Platz vertieft und ich konnte mich ohne schlechtes Gewissen verabschieden und zu meinem Mann und unserem Hund, die beide am Ausgang warteten gehen. Etwas erleichtert und in der Hoffnung, dass es meinem Vater dort gefällt sind wir wieder nach Hause gefahren.

Am nächsten Morgen hat mein Mann dann zum Frühstück nach meinem Vater geschaut, der wohl recht vergnügt im Speisesaal saß und es sich schmecken ließ. Erleichtert machte ich mich an meinen Haushalt und entspannte mich.

Gegen Mittag kam dann ein Anruf vom Parkwohnstift – mein Vater hätte „ausgecheckt“. Er hätte seine Sachen gepackt und an der Rezeption gesagt, das wäre hier nichts für ihn, er sei ja noch nicht alt. Es wäre zwar sehr schön aber er wolle sich diese Art von wohnen für später aufheben, wenn er es alleine nicht mehr schaffen würde. Na prima, dachte ich und etwa eine Stunde später rief mein Vater dann von Zuhause aus an, er sei wieder daheim und wolle dort bleiben. Er brauche keine Hilfe und käme alleine zurecht und wir sollen uns nicht mehr um ihn kümmern.

Wieder ein Tag später bekam ich schon wieder einen Anruf vom Parkwohnstift – dieses Mal am Nachmittag, dass mein Vater dort beim Mittagessen gewesen sei und sich völlig überrascht zeigte, als man ihn darauf ansprach, dass er dort nicht mehr untergebracht sei. Er wohne doch jetzt hier und er hätte auch in seinem Appartement übernachtet. Die Mitarbeiterin vom Parkwohnstift meinte, dass sie das Zimmer nun die vereinbarten 14 Tage für ihn bereit halten würden und er im Prinzip kommen und gehen könne wie er das wollte. Vielleicht, meinte sie, gewöhne er sich auch noch ein. Das fand ich eine gute Idee und war erleichtert, dass dies so unkompliziert trotz der Schwierigkeiten laufen konnte.

Doch die scheinbare Lösung wähnte nicht lange, denn 2 Tage später kam schon wieder ein Anruf vom Parkwohnstift, dass sie meinen Vater nun endgültig gehen lassen würden, da er schon wieder gepackt hätte und er zudem nachts sein Appartement nicht mehr gefunden hätte und er doch sehr verwirrt sei, so dass diese Art zu wohnen zu offen sei und sie die Betreuung, die er bräuchte nicht leisten können. Sie würden ihn auch grundsätzlich nicht in ihre Einrichtung aufnehmen. Später kam dann auch noch der Anruf von ihm von Zuhause aus mit den üblichen Anmerkungen.

In der Woche darauf hatte er dann seinen Termin im Krankenhaus zum MRT. Ich rief ihn morgens an, um ihn an den Termin der nachmittags war zu erinnern. Er war etwas unwillig da so schönes Wetter war und er viel lieber schwimmen gehen wollte, ließ sich aber darauf ein und war recht pünktlich vor dem Krankenhauseingang.

Schon am Eingang des Krankenhauses war er genervt und fragte mich, wer denn veranlasst hätte, dass er jetzt zum MRT müsse. Geduldig erklärte ich ihm dann, dass wir beim Arzt waren und dass die Neurologin das zur Diagnostik haben wolle. Er war weiterhin ungehalten und wir gingen in das vollbesetzte Wartezimmer. Dort lief er dann zu „Hochform“ auf. Er fing an mich zu beschimpfen, ich wolle ihn nur für unmündig erklären lassen, wir wollten ihn abschieben usw. Die anderen Leute im Wartezimmer verfolgten gespannt unseren Dialog und ich fühlte mich geschimpft wie ein kleines Mädchen und versuchte ihn zu beschwichtigen. Nach einer Weile überlegte ich aber was meine Therapeutin wohl zu dieser Situation sagen würde und mir kam der Gedanke, dass ich mir das nicht gefallen lassen müsse. Also überlegte ich weiter, wie ich nun erwachsen und souverän aus der Situation heraus kommen könne.

Nachdem mein Vater noch eine Weile weiter geschimpft hatte, stand ich nun auf, drückte meinem Vater den Überweisungsschein in die Hand und sagte, dass er, wenn er nicht zum MRT wolle, der Sprechstundenhilfe hier Bescheid geben solle, ich für meinen Teil würde jetzt wieder nach Hause fahren, da er meine Hilfe ja offensichtlich nicht wolle. Dann habe ich mich freundlich verabschiedet und bin aus der Tür gegangen. Mit zugegebenen weichen Knien und Herzklopfen bin ich aus dem Krankenhaus heraus gegangen zu meinem Fahrrad gelaufen und nach Hause gefahren.

Als ich Zuhause angekommen bin, war mein Mann, der von Zuhause arbeitete, erstaunt, dass ich schon wieder da bin und ich erzählte ihm wie es sich zugetragen hatte. Daraufhin fand er dass ich das richtig gemacht hätte und ich war total erleichtert und sogar etwas stolz auf mich. Ich hatte mich mal nicht nieder machen lassen und bin selbstbewusst und erwachsen aus einer schwierigen Situation herausgekommen.

In den folgenden Tagen haben wir nicht mehr viel von meinem Vater gehört und kurz vor unserem Urlaub meldete sich noch eine ehemalige jüngere Kollegin meiner Mutter, die wild entschlossen ist meinen Vater gemeinsam mit einer anderen Kollegin zu betreuen. Eigentlich sollten wir uns, nach Rücksprache mit seinem Hausarzt und nach den Vorfällen der letzten Wochen, nicht mehr um meinen Vater kümmern, damit er merkt, dass er nicht mehr alleine klar kommt. Aber das war der Kollegin nicht zu vermitteln und da sie dazu wild entschlossen war habe ich beschlossen es jetzt erst Mal so laufen zu lassen.

Und dann war es endlich Zeit die Sachen für den 2-wöchigen Sommerurlaub in der Türkei zu packen. …...

1 Kommentar 29.6.17 12:54, kommentieren



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