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Ich bin 49 Jahre alt, bin verheiratet , habe 3 Kinder und einen Hund. Momentan bin ich anorektisch (magersüchtig) . Hier möchte ich meine Gedanken und Ereignisse meines teilweise mittlerweile anstrengenden Alltags aufschreiben.

Alter: 49
 


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Der sichere Ort und "no pain -no gain"

In der Therapie soll es jetzt an weitere Szenen meiner Vergangenheit und damit verbundene Imaginationsübungen gehen in denen ich „mein verletztes Kind“ in Sicherheit bringe. Verständlicherweise habe ich davor große Angst, denn es ist ja nicht ganz so einfach sich an Dinge, die man, da man sie nicht erträgt und die man jahrelang mehr oder weniger erfolgreich verdrängt hat, zurück zu erinnern. Zudem soll man die Situationen ja noch durchleben um sie dann durch die eigene Hilfe zu entschärfen. Dabei habe ich die nächste Angst- was wenn ich das nicht kann und noch hilfloser zurückbleibe. Gleichzeitig ist da auch noch ein Stück Scham, die mich überkommt, da ich erzählen muss, wie ich ein Opfer war und das fällt mir sehr schwer, da ich sonst ganz gerne die „Starke“ raushängen lasse.

Als Hilfestellung soll mir jetzt zusätzlich ein imaginärer sicherer Ort dienen, den ich dann zusammen mit meiner Therapeutin erarbeiten sollte. Ich sollte die Augen schließen und mir vorstellen, wo ich mich sicher und geborgen fühle, wie es dort aussehen soll, wie es sich dort anfühlt mit allen Sinnen. Zunächst schien die Übung ja recht einfach und ich meinte schon bald einen sicheren Ort gefunden zu haben, doch dann begann die sichere Welt wieder zu wanken, mich beschlich in dieser Übung plötzlich ein sehr ungutes Gefühl. Ich war doch nicht sicher, da konnte jemand eindringen, mich überwältigen, mir Angst machen, diese scheinbar sichere Welt zerstören. Also versuchte ich mit Mauern, Türen und allen Vorstellungen die ich in den Kopf bekommen konnte, den Ort wieder sicher zu machen. Doch damit tat sich ein weiteres Problem auf, wenn ich alles zumachte, fühlte ich mich selbst gefangen und eingesperrt, das ging also auch nicht.

Inzwischen wollte meine Psychologin nun wissen, ob ich „meinen sicheren Ort“ nun gefunden hätte und im ersten Augenblick, wollte ich das einfach bejahen, denn ich fühlte mich wieder komplett als Versager, da ich so eine einfache Übung nicht hinbekommen habe. Aber irgendwie erschien mir das auch als komplett falsch bzw. erkannte, dass ich mir damit ja eher selber schade. Also schluckte ich meinen Stolz hinunter und sagte, dass ich keinen sicheren Ort gefunden habe und mich deshalb schlecht fühle. Zum meiner Überraschung meinte die Therapeutin dann, dass sie das öfter erlebt. Das dass hauptsächlich bei sehr traumatisierten Patienten vorkommt, hat mir allerdings nicht wirklich gefallen. Einerseits hat mich das erleichtert andererseits wegen ihrer Bemerkung wieder runter gezogen. Aber ich muss mich wohl damit abfinden, dass ich traumatisiert bin, auch wenn ich das gerne abstreiten würde.

Besagte Übung bekam ich dann als „Hausaufgabe“ und etwas gedrückt verließ ich die Praxis wieder.

Die kommenden Tage waren geprägt von viel Arbeit bei meinem Vater – seine Wohnung aufräumen und putzen. Den Kühlschrank (völlig voll und viele verdorbene und abgelaufene Sachen darin) aus zu misten und putzen, mein eigener Haushalt die Familie usw. Meine Nächte waren zudem mit nicht viel Schlaf bestückt, denn anstatt zu schlafen, fing das grübeln wieder an, was eine Weile nicht mehr so ausgeprägt war). Natürlich dachte ich sehr viel über den sicheren Ort nach, stellte mir Orte vor, verwarf sie wieder usw.

Mit den Nächten kamen dann wieder die Albträume angeschlichen. Zunächst hatte ich beim aufwachen wieder Angst und Herzklopfen, konnte mich aber nicht erinnern was ich genau geträumt hatte, dann wurde es konkreter wobei es immer darum ging ausgeliefert zu sein und es hatte immer etwas mit „fallen“ zu tun. Dieses „fallen“ das man im Traum so realistisch spürt und beim Aufwachen noch in den Knochen stecken hat.

Die Krönung war dann ein Traum, bei dem ich durch einen orientalischen Bazar laufe. Es ist wunderschön da und ich klettere über eine Art Wand, die mit wunderschönen Stoffen in vielen Farben ausgekleidet ist. Ich bin schon runter geklettert, als mir die Idee kommt nochmal darüber auf die andere Seite zu klettern. Also mache ich mich an den Aufstieg. Die Farben der Stoffe sind wunderschön und der Stoff fühlt sich auch wunderbar an, samtig, weich und er bietet genug Falten um sich daran festzuhalten. Neben mir steigen andere Menschen auf und ab, die ich allerdings nur so aus den Augenwinkeln registriere und die mich nicht stören. Zunächst ist alles gut und ich fühle mich wunderbar. Doch einen Moment später bemerke ich, wie hoch ich schon in der Wand geklettert bin und wie steil diese ist. Ich bekomme ein mulmiges Gefühl, versuche es aber noch abzustreifen. Doch die Wand und meine Situation wird immer bedrohlicher. Ich hänge immer steiler in dieser Wand und die Stoffe werden immer rauer, die Farben verblassen, ich habe keinen Halt mehr, ich versuche zu schreien, bekomme aber keinen Ton heraus. Mit schwindenden Kräften halte ich mich fest und muss hilflos, als meine Kräfte verbraucht sind, los lassen und mit einem lauten Schrei falle ich ins endlose Nichts.

Dieser Traum hat mich einige Tage verfolgt und ich hatte wieder einmal Angst einzuschlafen und so hatte ich mal wieder einige schlaflose Nächte.

In der nächsten Therapiestunde habe ich diesen Traum mit meiner Psychologin analysiert und was mir auch längst bewusst war, war die Tatsache, dass in diesem Traum alle meine Ängste vereinigt sind. Die Hilflosigkeit, die falsche Einschätzung der Situation und mein Hauptproblem die Angst die Kontrolle zu verlieren.

Wir sind dann auch nicht, wie die Therapeutin das vorgeschlagen hatte zu einer Imaginationsübung über gegangen, sondern haben uns über den Traum unterhalten. Was auch noch Thema war, war mein Vater und über diesen kamen wir dann auf Tabletten (die wir bei ihm aussortiert haben, da sie überall waren und noch von meiner Mutter stammten) und seine Drohung, dass er diese alle auf einmal nehmen wollte und sich umbringen wollte und als weiteren Gesprächsinhalt auf meinen Suizidversuch als Jugendliche, der auch mit Tabletten war. Das Trauma davor kam zur Sprache und es gelang mir tatsächlich dieses zu schildern, wobei ich meine Therapeutin wieder etwas schockte, jedenfalls war sie sehr betroffen. Allerdings schien sie es noch mehr zu ergreifen, dass ich beide Situationen bislang kaum jemand erzählt habe und damals weder zum Arzt noch zum Psychologen gegangen bin. Aber ich wollte es geheim halten, da ich dachte, ich sei selbst schuld daran. Zudem hatte ich immer den Satz meiner Mutter im Kopf „wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um“ und so hatte ich mir immer zurechtgelegt, dass ich selber schuld bin und mich geschämt.

Aber nun genug von der Therapie und zu meinem Lieblingsthema, das vielleicht auch ein bisschen krank ist aber nicht ganz so. Nach den Osterferien fing dann endlich mein geliebter Sport wieder an und die Trainerin von meiner „fit und fun -Stunde“ meinte zu Beginn, dass der Osterspeck wieder runter müsste. Die erste Stunde der Woche war eine Art Zirkeltraining für den ganzen Körper und die zweite war noch eine Spur härter. Es wurden 2 Gruppen gebildet und währen die eine Liegestützen, Kniebeugen und andere intensive Übungen machte, musste die andere während dieser Zeit am Stück Seil springen. Das war schon anspruchsvoll, ich konnte aber gut durchhalten. Das einzige was etwas zwickte war meine Achillessehne aber es war nicht so schlimm.

Mein Wunsch nach mehr Bauchübungen wurde dann anschließend noch entsprochen, denn ich habe mir das erste mal seit Jahren für unseren Urlaub am Meer zwei Bikinis gekauft. Mein Bauch ist zwar noch nicht so wie ich ihn mir wünsche aber es ist durchaus so, dass mein Mann und meine Tochter meinte ich könne einen Bikini tragen (klar mal wieder mit der Bemerkung, dass ich für eine Bikinifigur noch zunehmen müsste). Jedenfalls hoffe ich, dass ich meine überschüssige Haut und meine Streifen, die ich durch die drei Schwangerschaften habe, durch das trainieren der Bauchmuskeln noch etwas weg bekomme und mein Bauch straffer und glatter aussieht, wenn ich stehe, im liegen habe ich zu meiner heimlichen Freude einen sehr flachen Bauch, der wenn ich nichts gegessen habe sogar eine Kuhle nach innen hat.

Um mich noch auf das „no pain no gain“ in der Überschrift zu beziehen – als nach der Sportstunde die Trainerin meinte, dass diese Stunde doch recht intensiv war, aber man sich ja immer steigern müsse, quittierte sie meine obige Bemerkung mit einem zustimmenden Lächeln. Irgendwie wird sie mir immer sympathischer, da sie wohl auch etwas „verrückter“ ist was ihre Einstellung zum Sport angeht….

2.5.17 13:29, kommentieren

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Interessanter Tausch - statt einer Sorge weniger gleich zwei mehr..

eigentlich dachte ich dass ich auf dem Weg zu weniger Belastung bin und wurde wieder in die Realität zurückgeholt.

Nachdem mein Vater sich dazu entschlossen hatte und sich angeblich darauf freute in das Seniorenstift einzuziehen, machte er heute Morgen eine Stunde vor der Anmeldung einen Rückzieher.

Gestern Abend hatte ich ihn noch angerufen und da hat er zwar Bedenken angemeldet, war aber dennoch entschlossen mitzukommen.

Also haben wir den Morgen schon ganz anders geplant, mein Mann hat in der Firma gesagt, dass er später zur Arbeit komme, ich bin schon früher mit dem Hund raus (habe ganz entgegen meiner derzeitigen Essensgewohnheiten etwas kohlehydrathaltiges gefrühstückt, damit mir bei der Anmeldung nicht schwindlig wird) und ich habe meinen Vater angerufen, dass wir ihn abholen.

Doch dann hat er am Telefon gemeint, dass er sich noch nicht entschieden habe dort einzuziehen. Er sei ja noch ganz fit und er könne ganz gut alleine wohnen. Angeblich hätten wir ihn gedrängt und es käme vielleicht später für ihn in Frage. Dabei ruft er uns jeden 2ten Tag an und fragt wo meine Mutter ist, zudem vergisst er ja auch oft zu essen. Davon abgesehen, nimmt das Seniorenstift richtig demente Senioren nicht mehr. Jetzt käme er noch rein, rausgeschmissen würde er bei fortschreitender Demenz nicht, es sei denn er wäre dann so, dass man ihn ständig suchen müsste.

Kurz darauf rief dann die Mitarbeiterin des Seniorenstifts an, dass der Termin eine Stunde später sei, da ihr etwas dazwischen gekommen sei. Daraufhin haben wir den Termin erst mal ganz abgesagt, da es so absolut keinen Sinn macht.

Mein Mann hat daraufhin nochmal bei meinem Vater angerufen, dass der Termin abgesagt sei. Mein Vater hat meinem Mann dann erklärt wie fit er sei und dass es nicht stimmen würde, dass er immer bei uns anruft und fragt wo meine Mutter sei, schließlich wisse er ja das sie tot sei und ausreichend essen würde er ja schließlich auch und er sei körperlich ja fit (was stimmt, da er sein Leben lang sehr viel Sport gemacht hat und es heute auch noch tut).

Das ganze passt wunderbar zu meiner Therapie gestern. Meine Therapeutin hat mich jetzt so unter Druck gesetzt, dass ich eigentlich das ganze auch abbrechen möchte. Sie meinte, dass ich noch dünner aussehen würde (was ich nicht finde und auf der Waage war es (leider) auch nicht weniger) und dass wir endlich an meine Probleme der Vergangenheit gehen müssten. Mir ist schon klar, dass ich meinen Körper ablehne aufgrund einiger Gewalt- und Missbrauchserfahrungen in meiner Kindheit und Jugend und dass auch die Anorexie eine Bewältigungsstrategie meiner posttraumatischen Belastungsstörungen ist. Soweit die einleuchtende Diagnose auf psychologischer Basis. Trotzdem fällt es mir extrem schwer darüber zu reden. Ich will mich nicht wieder als Opfer fühlen und ich will kein Mitleid. Als ich der Psychologin vor ein paar Therapiestunden eine Szene aus meiner Kindheit zum arbeiten, schilderte, war diese schon sichtlich berührt und fand das ganz furchtbar und schaute mich mitleidig an. Dabei kam das nicht wirklich an die anderen Erlebnisse heran, die ich sonst noch so erlebt habe, die sind heftiger und irgendwie habe ich Angst ihr das zu erzählen…

Eigentlich hatte ich mich dann doch während des Gesprächs darüber schon fast mit dem Gedanken angefreundet, das mal zu erzählen, was ich auch aufgrund von Scham noch nie jemanden erzählt habe und ich dachte, dass es vielleicht doch nicht so schlecht wäre, das mal loszuwerden. Doch dann nahm das Gespräch eine andere Wendung. Irgendwie sind wir dann wieder Richtung Gewicht abgebogen. Plötzlich meinte sie, dass sie es doch nicht gut findet, dass ich mit meiner Ärztin befreundet sei. Dabei ist das für mich noch so eine große Beruhigung, da ich ihr wenigstens vertraue und es ist weniger belastende von ihr gewogen zu werden, als von irgendeiner Sprechstundenhilfe (es haben mich zudem schon genügend Menschen in Unterwäsche auf der Waage gesehen und langsam habe ich da keine Lust mehr drauf, bei meiner Freundin finde ich das noch ganz ok.) Zudem will meine Freundin auch nicht dass ich sterbe, schließlich mag sie mich ja - zumindest hoffe ich das.

Dann habe ich mich leider verplappert und meiner Psychologin gesagt, dass es mir momentan ganz gut geht und ich im Sport gute Leistung bringe (da hat sie das erste Mal die Stirn gerunzelt) und dass es nur ganz wenige Momente sind wo ich überhaupt merke, dass ich Untergewicht habe, so zum Beispiel am letzten Wochenende wo ich nach dem essen von Eis in der Eisdiele irgendwie so eine Art Schüttelfrost bekommen habe und mit meiner und der Jacke meines Mannes in der Sonne saß und am ganzen Körper gezittert habe und meine Hände plötzlich eine gelbliche Farbe hatten. Das ganze war aber nach ca. einer halben Stunde wieder völlig ok und es ging mir wieder gut. Ich habe Zuhause dann im Netz gegoogelt und herausgefunden, dass es bei Untergewicht sein kann, dass es einem nach dem Eis essen sehr kalt wird und die gelben Hände können eine vorübergehende harmlose Stoffwechselstörung sein, da die Leber durch den Zuckergehalt des Eis (es war meine erste zuckerhaltige Mahlzeit an diesem Tag) plötzlich überlastet sei. Zudem habe ich ja sowieso eine nicht mehr so gute Leber, einen angeborenen leichten Herzfehler und nur noch das halbe Lungenvolumen seit einer Vergiftung mit Lösungsmitteln in meiner Jugend. Aber ich lebe immer noch und mache Sport.

Jetzt war die gute Frau völlig schockiert und meinte, dass ich in Lebensgefahr bin und dass ich nächste Woche zu meiner Ärztin soll um abzuklären, ob ich in die Klinik soll. Ich weiß aber, dass es mir gut geht und ich habe so viel um die Ohren – Termine ohne Ende und zudem will ich in den Osterferien auch viel mit meinem Jüngsten unternehmen. Ich will nicht auch noch einen Arzttermin, der sowieso nichts bringt.

Zudem habe ich mir überlegt, dass die Offenheit, die ich jetzt ja an den Tag gelegt habe, gefährlich ist und ich so kein Vertrauen zu der Therapeutin aufbauen kann. Schließlich werde ich ja dafür bestraft, dass ich ihr ganz intime Dinge anvertraue. Mir kam dann noch der Gedanke, dass sie dann ja eigentlich auch beschließen könnte mich in die Psychiatrie einzuweisen, wenn ich ihr erzähle, dass ich ab und an nachts an See gehe mit der Überlegung einfach hineinzuspringen und so weit zu schwimmen bis ich nicht mehr kann und dann einfach unterzugehen. Bisher ist es bei der Überlegung geblieben aber immerhin habe ich schon einen Plan wie ich aus dem Leben scheide, wenn es mir zu viel wird (und es ist gerade ab und an an der Grenze zum „zu viel“) und müsste sie da nicht auch handeln? Und wie soll ich da jetzt vertrauen haben?

Damit es nicht so negativ endet, möchte ich hier noch schreiben, dass ich mich auf meinen Sport heute Abend freue und dass ich mir neue Sportschuhe, eine neue Laufjacke, Laufleggings und ein Laufshirt bestellt habe und diese Sachen sollen heute und morgen geliefert werden. Darauf freue ich mich total und damit ist sichergestellt, dass ich auf jeden Fall noch ein paar Wochen freiwillig leben werde, da ich die Sachen ja noch anziehen will… (in den Osterferien geht es zum joggen und auf den Trimm-Dich-Pfad)

6.4.17 11:25, kommentieren



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