reflections

Über

Ich bin 50 Jahre alt, bin verheiratet , habe 3 Kinder und einen Hund. Momentan bin ich anorektisch (magersüchtig) . Hier möchte ich meine Gedanken und Ereignisse meines teilweise mittlerweile anstrengenden Alltags aufschreiben.

Alter: 50
 


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Blog

Morgen sind die Schulferien wieder zu Ende

und ich sitze mal wieder schlaflos um 2.30 Uhr hier alleine im Wohnzimmer und schreibe.

Die letzten Tage hat das Schlafen eigentlich ganz gut geklappt, wenn man davon absieht, dass ich meistens gegen 3 Uhr morgens ins Bett bin und dann bis 10 oder manchmal sogar 11 Uhr geschlafen habe. Ich bin irgendwie doch eher eine Eule und so habe ich in den Ferien wenigstens genügend Schlaf bekommen und wundere mich nun nicht wirklich, dass ich, da ich bereits um 0 Uhr versucht habe zu schlafen, weil ich um 6.45 Uhr wieder raus muss, nicht einschlafen konnte und deshalb wieder aufgestanden bin.

Die letzten Tage waren recht beschaulich und ich war psychisch recht stabil, was auch daran lag, dass ich mehr Freiraum seitens meiner Familie bekommen habe.

Einerseits habe ich viel Zeit für mich bekommen, da jeder der Familienmitglieder sich seinem Hobby gewidmet hat und ich zwar ab und an mich noch etwas um den Jüngsten gekümmert habe und auch mit diesem Unternehmungen machte , die mir ebenfalls gefielen (wir haben zusammen gemalt und neben her Hörbücher gehört, sind mit dem Hund gelaufen und er fuhr mit dem Fahrrad nebenher und ein Besuch im Zoo war auch noch dabei, der sehr schön war) andererseits hatte ich das Gefühl dass ich – auch wenn es um das für mich und meine Familie angespannte Thema Ernährung ging, auch ernster genommen wurde.

So habe ich mich entschlossen, was ich schon immer wollte, mich nun endgültig vegetarisch zu ernähren, da ich es von meiner Seite her schon immer inkonsequent gehalten habe, Fleisch zu essen obwohl ich gegen Massentierhaltung, Tiertransporte bin und zudem kein Tier selber töten könnte um es zu essen. Anders sieht es tatsächlich bei Fischen und Meerestieren wie Krabben aus, diese könnte ich töten und deshalb dürfen die gerne auf meinem Speiseplan bleiben.

Meine Jungs dürfen weiterhin ihr Fleisch essen, meine Tochter möchte es nur ab und zu und so gab es jetzt jedes Mal wenn es Fleisch gab eine fleischfreie Alternative für mich und wenn gewünscht auch für meine Tochter.

Ich glaube zudem, dass wenn der Druck bezüglich des Essens weg ist, es besser geht. Als wir gestern bei einem lieben Kollegen meines Mannes zum Kaffee eingeladen wurden, habe ich zu meinem Mann gesagt, dass ich möchte, dass er ihm sagt, dass seine Frau keinen Kuchen backen muss, da mich dass unter Druck setzt. Und tatsächlich hatte sie nicht gebacken (obwohl sie wirklich leckeren Kuchen backen kann) und so kamen Plätzchen und Studentenfutter auf den Tisch und ich war richtig erleichtert. Es war ein sehr unbeschwerter Nachmittag und wir haben uns toll unterhalten. Als wir wieder Zuhause waren, war ich so entspannt, dass es auch kein Problem war, als meine Tochter den Wunsch hatte noch essen zu gehen.

Es war auch gut, dass ich an jenem Tag abgelenkt war, denn es war der Geburtstag meiner Mutter und obwohl ich nicht wirklich um sie trauere, musste ich schon öfter an sie denken. Irgendwie kommt mir derzeit immer wieder der Gedanke, dass ich eine bessere Tochter hätte sein müssen. Ich habe sie nicht glücklich gemacht. Vielleicht hätte ich mich noch mehr anstrengen müssen, mehr auf sie eingehen, mehr verstehen müssen, was sie von mir erwartet. Sie war so oft enttäuscht von mir. Wenn ich gewusst hätte, dass sie nach der Operation nicht mehr aufwacht, hätte ich nochmal das Gespräch mit ihr gesucht um zu verstehen warum unsere Beziehung so schwierig war. Aber das ist verschüttete Milch, ich kann die Zeit nicht mehr zurückdrehen. Was bleibt ist mein schlechtes Gewissen. Das schlechte Gewissen, was ich auch habe wenn ich an meinen Vater denke, den ich nicht auffangen kann, der mir zwar Leid tut in seiner Einsamkeit und seiner Verwirrtheit aber dem ich nicht helfen kann, ihn nur so schwer ertragen kann, dem ich auch keine liebe Tochter sein kann und ich hoffe, dass meine Eltern mir nach dem Tod verzeihen können, dass ich keine gute Tochter war.

Derzeit strenge ich mich wenigstens an, eine gute Mutter und Frau zu sein. Ich versuche mehr da zu sein, nicht mehr so oft in meine Traumwelt abzutauchen, mehr zu zuhören, ihnen öfter zu sagen, dass ich sie liebe und hoffe, dass sie das auch spüren.

Immerhin waren die letzten Tag recht harmonisch und morgen hat uns der Alltag wieder.

Für morgen Früh ist schon alles vorbereitet, der Frühstückstisch gedeckt, der Tee den mein Jüngster in die Schule mitnimmt gekocht, die Sportsachen frisch gewaschen im Turnbeutel und die Kleidung für den Jüngsten für morgen früh bereit gelegt.

Morgen Abend geht es wieder zur Power Gymnastik und am Dienstag und Donnerstag in den Sportkurs bei meiner Freundin darauf freue ich mich wieder.

Am Freitag steht uns noch ein Elterngespräch mit der Ergotherapeutin unseres Jüngsten bevor und dann in den kommenden Tagen noch ein Lehrergespräch der Schule denn jetzt werden die Weichen für die weiterführende Schule für unsern Jüngsten gestellt.

Am Dienstag kommt voraussichtlich noch ein neues Küchenmaschinchen – wir haben uns noch einen Dörrautomaten bestellt, da wir so leckeres Trockenobst bei dem Kollegen meines Mannes gegessen haben, welches dieser in einem solchen Dörrobstautomaten herstellt. Jetzt haben wir uns die letzten zwei Tage damit befasst und nachdem mein Mann gelesen hat, dass man neben Obst auch Fleisch darin trocknen kann, war auch er davon angetan und wir haben die Maschine bestellt. Ich liebe ja Küchengeräte und bin schon gespannt, was ich da alles mit machen kann.

Jetzt werde ich noch etwas stricken – ich arbeite schon seit längerem an einer Decke in verschiedenen Blautönen für meinen ältesten Sohn und hoffe, dass ich sie noch als Zusatzgeschenk für seinen Geburtstag nächste Woche fertigstellen kann.

8.1.18 03:15, kommentieren

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Der erste Tag im neuen Jahr

und ich sitze hier um 6.30 Uhr auf dem Sofa und beginne zu schreiben.

Um 4 Uhr morgens ist unser Besuch (die Eltern vom Freund unserer Tochter) nach Hause gegangen und ich habe bis eben die Küche auf Vordermann gebracht, nachdem ich vergeblich versucht habe zu schlafen.

Der Abend war eigentlich ganz schön, wir haben leckeres Essen gehabt (ich habe die Vorspeise zubereitet – Krabben auf Avocado-Curry-Creme mit Honigmelone und Dill) und ich konnte mich durchaus mit den anderen Speisen anfreunden und habe neben der Vorspeise, Suppe, Paneer mit Reis und Gemüse und als Nachtisch Obstsalat gegessen – zwar eine recht kleine Portion von allem aber immerhin ... Nach dem Essen haben wir alle miteinander Karaoke gesungen, was Spaß gemacht hat.

Nachdem wir mit einem Glas Sekt das neue Jahr begrüßt hatten, bin ich mit dem Wölfchen, das mittlerweile ziemlich Angst vor dem Knallen und Leuchten des Spektakels draußen hat, in den Keller ins Studio gegangen und habe mich mit ihm in einen Sessel gekuschelt und ihn mit streicheln etwas beruhigt. Die anderen sind derweil nach draußen gegangen und haben ein paar Raketen gestartet. Mir war es lieber das Wölfchen zu trösten, ich kann dem ganzen Feuerwerksgedöns nichts abgewinnen, mich macht das auch eher nervös.

Trotz des recht schönen Abends bin ich allerdings wieder mal schlaflos.

Vielleicht liegt es ja auch an dem letzten Kommentar meines Mannes als er ins Schlafzimmer kam und nicht mehr ganz nüchtern bemerkte, dass er von mir mehr Unterstützung gewollt hätte. Er meinte damit aber nicht die Arbeit, die dieser Abend erforderte, in der Küche und beim servieren der Speisen habe ich ausreichend mitgewirkt und anschließend alleine die Küche aufgeräumt. Nein, er fand den Vater von unserer Tochters Freund anstrengend und ich hätte ihm diesen mehr abnehmen müssen. Davon abgesehen, dass sich jener gerne mit ihm unterhalten wollte und ich nicht genau weiß, wie ich mich da hätte einbringen können, hat mich eigentlich die Tatsache gestört, dass als das neue Jahr gerade mal 4 Stunden alt war, ich schon wieder eine Kritik bekommen habe.

Wie immer habe ich nun schon wieder das Gefühl, nichts richtig machen zu können. Mein Mann findet eigentlich fast jeden Tag einen Grund für Kritik an meiner Person und ich fühle mich dann wieder so unfähig und schlecht.

Davon abgesehen bin in den letzten Tagen sehr oft schlaflos und mich quälen wieder so viele Gedanken so dass ich derzeit nachts aufräume, Wäsche wasche, lese oder einfach Fern schaue. Gegen Morgen gehe ich dann wieder ins Bett und schlafe noch 1-2 Stunden. Seltsamerweise bin ich auch nie mehr wirklich müde.

Gedanken mache ich mir bezüglich der Zukunft, wie es denn nun weiter gehen soll, was ich möchte, warum ich – jetzt wird’s meiner Meinung nach langweilig- immer noch in der Anorexie verharre und immer noch keinen Plan habe wie ich da jemals wieder rauskommen kann.

Die Therapie, die derzeit mache, dümpelt ebenfalls irgendwie ohne Ergebnisse vor sich hin und obwohl die Genehmigung für Therapiestunden nochmal verlängert wurden, habe ich jetzt nur noch alle 14 Tage Therapie, da ich momentan keine wirklichen Fortschritte mache.

Auch der Versuch mehr mit der Körperwahrnehmung zu arbeiten, war nicht wirklich von Erfolg gekrönt und ich konnte es schwer ertragen und nicht daran arbeiten als ich den wahren Umriss meines Körpers auf einem Packpapier gezeichnet sah und dieser nur die Hälfte davon war, was ich zuvor geschätzt selbst aufs Papier malte. Mein Gefühl hat sich komplett geweigert zu begreifen, was mein Verstand eigentlich weiß – das dieser schmale Umriss, mein Körper ist….

Von den meisten meiner Freundinnen habe ich mich derzeit zurückgezogen, weil ich glaube, dass sie sich mit mir langweilen und es keinen Spaß macht, mich als Freundin zu haben.

Ich habe mich zwar etwas mit meiner Sporttrainerin angefreundet, bin da aber auch eher zurückhaltend obwohl wir uns eigentlich gut verstehen – allerdings auch dadurch bedingt, dass sie auch anorektisch ist, allerdings schon viel weiter ist, was das Gewicht angeht - sie hat unterstes Normalgewicht, was sie auch braucht, da sie Vollzeit arbeitet und alleinerziehende Mutter zweier Töchter ist. Ihr muss ich wenigstens mein Essverhalten und meine Körperwahrnehmung nicht erklären und wir haben schon einige Male einen durchaus schönen Abend miteinander verbracht, was mich durchaus aufgemuntert hat. Allerdings ist sie – wie ich auch - etwas komplizierter und hat ebenfalls viele Ängste und Besonderheiten, was es für mich auch manchmal anstrengend macht auch wenn wir zum Glück auch Gesprächsthemen außerhalb unserer Probleme finden.

So schaue ich recht verhalten und nicht wirklich positiv ins neue Jahr. Meine eher bescheidenen Wünsche sind, dass ich für meinen mittlerweile sehr dementen Vater eine Lösung bezüglich Unterkunft und Unterstützung finde, dass meine Kinder gesund und glücklich bleiben und dass ich körperlich auch mit wenig Gewicht weiterhin für den Alltag funktioniere.

Vielleicht geschieht ja dieses Jahr noch ein Wunder und ich werde soo glücklich und zufrieden, dass ich Ana nicht mehr als Halt brauche…. Allerdings glaube ich schon länger nicht mehr an ein Wunder...

2 Kommentare 1.1.18 07:39, kommentieren



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