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Ich bin 49 Jahre alt, bin verheiratet , habe 3 Kinder und einen Hund. Momentan bin ich anorektisch (magersüchtig) . Hier möchte ich meine Gedanken und Ereignisse meines teilweise mittlerweile anstrengenden Alltags aufschreiben.

Alter: 50
 


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Interessanter Tausch - statt einer Sorge weniger gleich zwei mehr..

eigentlich dachte ich dass ich auf dem Weg zu weniger Belastung bin und wurde wieder in die Realität zurückgeholt.

Nachdem mein Vater sich dazu entschlossen hatte und sich angeblich darauf freute in das Seniorenstift einzuziehen, machte er heute Morgen eine Stunde vor der Anmeldung einen Rückzieher.

Gestern Abend hatte ich ihn noch angerufen und da hat er zwar Bedenken angemeldet, war aber dennoch entschlossen mitzukommen.

Also haben wir den Morgen schon ganz anders geplant, mein Mann hat in der Firma gesagt, dass er später zur Arbeit komme, ich bin schon früher mit dem Hund raus (habe ganz entgegen meiner derzeitigen Essensgewohnheiten etwas kohlehydrathaltiges gefrühstückt, damit mir bei der Anmeldung nicht schwindlig wird) und ich habe meinen Vater angerufen, dass wir ihn abholen.

Doch dann hat er am Telefon gemeint, dass er sich noch nicht entschieden habe dort einzuziehen. Er sei ja noch ganz fit und er könne ganz gut alleine wohnen. Angeblich hätten wir ihn gedrängt und es käme vielleicht später für ihn in Frage. Dabei ruft er uns jeden 2ten Tag an und fragt wo meine Mutter ist, zudem vergisst er ja auch oft zu essen. Davon abgesehen, nimmt das Seniorenstift richtig demente Senioren nicht mehr. Jetzt käme er noch rein, rausgeschmissen würde er bei fortschreitender Demenz nicht, es sei denn er wäre dann so, dass man ihn ständig suchen müsste.

Kurz darauf rief dann die Mitarbeiterin des Seniorenstifts an, dass der Termin eine Stunde später sei, da ihr etwas dazwischen gekommen sei. Daraufhin haben wir den Termin erst mal ganz abgesagt, da es so absolut keinen Sinn macht.

Mein Mann hat daraufhin nochmal bei meinem Vater angerufen, dass der Termin abgesagt sei. Mein Vater hat meinem Mann dann erklärt wie fit er sei und dass es nicht stimmen würde, dass er immer bei uns anruft und fragt wo meine Mutter sei, schließlich wisse er ja das sie tot sei und ausreichend essen würde er ja schließlich auch und er sei körperlich ja fit (was stimmt, da er sein Leben lang sehr viel Sport gemacht hat und es heute auch noch tut).

Das ganze passt wunderbar zu meiner Therapie gestern. Meine Therapeutin hat mich jetzt so unter Druck gesetzt, dass ich eigentlich das ganze auch abbrechen möchte. Sie meinte, dass ich noch dünner aussehen würde (was ich nicht finde und auf der Waage war es (leider) auch nicht weniger) und dass wir endlich an meine Probleme der Vergangenheit gehen müssten. Mir ist schon klar, dass ich meinen Körper ablehne aufgrund einiger Gewalt- und Missbrauchserfahrungen in meiner Kindheit und Jugend und dass auch die Anorexie eine Bewältigungsstrategie meiner posttraumatischen Belastungsstörungen ist. Soweit die einleuchtende Diagnose auf psychologischer Basis. Trotzdem fällt es mir extrem schwer darüber zu reden. Ich will mich nicht wieder als Opfer fühlen und ich will kein Mitleid. Als ich der Psychologin vor ein paar Therapiestunden eine Szene aus meiner Kindheit zum arbeiten, schilderte, war diese schon sichtlich berührt und fand das ganz furchtbar und schaute mich mitleidig an. Dabei kam das nicht wirklich an die anderen Erlebnisse heran, die ich sonst noch so erlebt habe, die sind heftiger und irgendwie habe ich Angst ihr das zu erzählen…

Eigentlich hatte ich mich dann doch während des Gesprächs darüber schon fast mit dem Gedanken angefreundet, das mal zu erzählen, was ich auch aufgrund von Scham noch nie jemanden erzählt habe und ich dachte, dass es vielleicht doch nicht so schlecht wäre, das mal loszuwerden. Doch dann nahm das Gespräch eine andere Wendung. Irgendwie sind wir dann wieder Richtung Gewicht abgebogen. Plötzlich meinte sie, dass sie es doch nicht gut findet, dass ich mit meiner Ärztin befreundet sei. Dabei ist das für mich noch so eine große Beruhigung, da ich ihr wenigstens vertraue und es ist weniger belastende von ihr gewogen zu werden, als von irgendeiner Sprechstundenhilfe (es haben mich zudem schon genügend Menschen in Unterwäsche auf der Waage gesehen und langsam habe ich da keine Lust mehr drauf, bei meiner Freundin finde ich das noch ganz ok.) Zudem will meine Freundin auch nicht dass ich sterbe, schließlich mag sie mich ja - zumindest hoffe ich das.

Dann habe ich mich leider verplappert und meiner Psychologin gesagt, dass es mir momentan ganz gut geht und ich im Sport gute Leistung bringe (da hat sie das erste Mal die Stirn gerunzelt) und dass es nur ganz wenige Momente sind wo ich überhaupt merke, dass ich Untergewicht habe, so zum Beispiel am letzten Wochenende wo ich nach dem essen von Eis in der Eisdiele irgendwie so eine Art Schüttelfrost bekommen habe und mit meiner und der Jacke meines Mannes in der Sonne saß und am ganzen Körper gezittert habe und meine Hände plötzlich eine gelbliche Farbe hatten. Das ganze war aber nach ca. einer halben Stunde wieder völlig ok und es ging mir wieder gut. Ich habe Zuhause dann im Netz gegoogelt und herausgefunden, dass es bei Untergewicht sein kann, dass es einem nach dem Eis essen sehr kalt wird und die gelben Hände können eine vorübergehende harmlose Stoffwechselstörung sein, da die Leber durch den Zuckergehalt des Eis (es war meine erste zuckerhaltige Mahlzeit an diesem Tag) plötzlich überlastet sei. Zudem habe ich ja sowieso eine nicht mehr so gute Leber, einen angeborenen leichten Herzfehler und nur noch das halbe Lungenvolumen seit einer Vergiftung mit Lösungsmitteln in meiner Jugend. Aber ich lebe immer noch und mache Sport.

Jetzt war die gute Frau völlig schockiert und meinte, dass ich in Lebensgefahr bin und dass ich nächste Woche zu meiner Ärztin soll um abzuklären, ob ich in die Klinik soll. Ich weiß aber, dass es mir gut geht und ich habe so viel um die Ohren – Termine ohne Ende und zudem will ich in den Osterferien auch viel mit meinem Jüngsten unternehmen. Ich will nicht auch noch einen Arzttermin, der sowieso nichts bringt.

Zudem habe ich mir überlegt, dass die Offenheit, die ich jetzt ja an den Tag gelegt habe, gefährlich ist und ich so kein Vertrauen zu der Therapeutin aufbauen kann. Schließlich werde ich ja dafür bestraft, dass ich ihr ganz intime Dinge anvertraue. Mir kam dann noch der Gedanke, dass sie dann ja eigentlich auch beschließen könnte mich in die Psychiatrie einzuweisen, wenn ich ihr erzähle, dass ich ab und an nachts an See gehe mit der Überlegung einfach hineinzuspringen und so weit zu schwimmen bis ich nicht mehr kann und dann einfach unterzugehen. Bisher ist es bei der Überlegung geblieben aber immerhin habe ich schon einen Plan wie ich aus dem Leben scheide, wenn es mir zu viel wird (und es ist gerade ab und an an der Grenze zum „zu viel“) und müsste sie da nicht auch handeln? Und wie soll ich da jetzt vertrauen haben?

Damit es nicht so negativ endet, möchte ich hier noch schreiben, dass ich mich auf meinen Sport heute Abend freue und dass ich mir neue Sportschuhe, eine neue Laufjacke, Laufleggings und ein Laufshirt bestellt habe und diese Sachen sollen heute und morgen geliefert werden. Darauf freue ich mich total und damit ist sichergestellt, dass ich auf jeden Fall noch ein paar Wochen freiwillig leben werde, da ich die Sachen ja noch anziehen will… (in den Osterferien geht es zum joggen und auf den Trimm-Dich-Pfad)

6.4.17 11:25, kommentieren

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Gedanken, Ereignisse und Gefühle zum Tod meiner Mutter (Teil 2)

Nach dem Tod meiner Mutter kam vieles auf mich zu und deshalb war es nicht so belastend wie zunächst befürchtet.

Am Tag nach ihrem Tod, hatten wir gleich am nächsten Morgen zusammen mit meinem Vater den Besuch von einem Vertreter des Bestattungsunternehmens und wir setzten gemeinsam eine Todesanzeige für die Zeitung auf und der Bestatter erklärte uns den Ablauf der Beerdigung.

Da sie eingeäschert wurde, fand zunächst die Trauerfeier mit allen Verwandten, Freunden und Bekannten statt und ein paar Tage später die Urnenbeisetzung im engsten Familienkreis.

Von der Besprechung mit dem Bestatter ist mir noch eine Sache in Erinnerung geblieben, die ich kurios fand – als ich fragte, ob wir meine Mutter den Kindern nochmal zeigen könnten, meinte dieser, dass das keine gute Idee sei, da sich Menschen die nach langer Krankheit sterben, sehr schnell unschön veränderten und der Anblick verstörend wirken könnte. Früher hätte man das noch eher machen können, da die Toten meistens eher so wie ich ausgesehen hätten, da sie meistens sehr dünn waren und oft durch Hunger oder Krankheiten mit kurzem Verlauf gestorben wären. Ich weiß noch, dass ich in diesem Moment dachte :“Na dann bin ich wenigstens eine ansehentliche Leiche“.

Für die Trauerfeier habe ich dann viele Telefonate geführt um das nach der Beerdigung geplante Kaffee trinken in einem Restaurant zu organisieren. Es war etwas schwierige eine Lokation zu bekommen, da es am Aschermittwoch war und viele Restaurants gerade wieder aufmachten und bereits ausgebucht waren. Zum Glück konnten wir in der Gaststätte, in der meine Tochter ab und zu kellnert einen kleinen Raum bekommen und ich rechnete so mit ca. 20 Gästen.

Eigentlich hatten wir Angst, dass es weniger wären aber dann trat das Gegenteil ein, wir waren 5 Personen mehr, da nicht nur die Geschwister meiner Mutter sondern zusätzlich auch eine Nichte und ein Neffe mit Familie, von denen wir nicht wussten, dass sie kommen wollten, an der Beerdigung auftauchten.

Die Trauerfeier selbst war sehr schlicht und mit einer gut gehaltenen Reede vom Pfarrer und es waren sehr viele Leute da. Mein Vater weinte sehr und suchte bei mir Halt, was ich ihm auch geben konnte. Für mich selbst war es sehr seltsam, da ich nichts fühlte und mir alle ihr Beileid aussprachen und ich fragte mich die ganze Zeit, ob das jetzt geheuchelt sei, wenn ich mich dafür bedanke und dass mit mir vielleicht etwas nicht stimmt, denn eigentlich müsste man doch völlig verzweifelt sein, wenn die Mutter stirbt. Mir kam immer der Satz „die Mutter war's was bedarf' s der Worte mehr“ in den Sinn und ich hatte ein schlechtes Gewissen, da ich dabei nichts empfand.

Obwohl ich die Trauerfeier in der Trauerhalle nicht so schlimm fand, war ich dennoch froh, als wir schließlich zum Restaurant fuhren. Wir kamen etwas später, da wir unser Wölfchen noch Zuhause abholten. Als wir schließlich im Restaurant ankamen, war es zunächst chaotisch, da meine Verwandtschaft sich darüber ärgerten, dass nicht so viel Platz in dem kleinen Nebenraum war, wie sie erwartet hätten. Dazu muss gesagt werden, dass meine Verwandtschaft mütterlicherseits recht korpulent ist und sie deshalb etwas mehr Platz zum sitzen beanspruchen und aufgrund der Tatsache, dass es nun mehr Personen als geplant waren, es tatsächlich etwas eng wurde. Als allerdings der Kaffee und der üppige Kuchen mit Schlagsahne auf den Tisch kam, beruhigten sich die Gemüter wieder und glücklich essend wurde es doch irgendwie ganz nett. Was nicht so gut für meine Psyche war, waren die Komplimente für meine tolle Figur und wie zart ich doch sei, was immer die Momente sind in denen ich daran zweifle, dass ich krank bin und dass ich etwas an meinem Essverhalten ändern soll.

Die Urnenbeisetzung fand dann fast eine Woche später statt. Mein Vater trug die Asche meiner Mutter in der Urne zum Grab begleitet von uns und einer langjährigen Freundin meiner Mutter. Die ganze Prozedur erschien mir irgendwie absurd. Um uns herum auf dem Friedhof waren Gärtner am arbeiten, liefen andere Menschen herum und da trug mein Vater seine Frau zu Grabe. Irgendwie kam ich mir völlig daneben vor und ich hatte plötzlich den abwegigen Gedanken dass ich gerne wissen würde wie viel die Urne wohl wiegt und fühlte mich schuldig, dass ich wieder nicht so andächtig in der Situation sein konnte, wie man das eigentlich sein müsste. Am Grab hat mein Vater noch eine Rede gehalten, die ziemlich an mir vorbeiging. Ich wollte nur noch weg, nicht nur weil mir kalt war.

Anschließend sind wir noch essen gegangen und da war, trotz des Essens, die Stimmung eigentlich recht gut.

Die letzte Zeit und auch momentan sind wir jetzt mit meinem Vater beschäftigt. Wir unternehmen ab und an was mit ihm und laden ihn auch zum essen ein, damit er nicht so alleine ist. Zudem hat er das Problem, wenn er alleine ist, vergisst er zu essen und läuft oder radelt stundenlang durch die Gegend. Wenn er dann wieder Zuhause ist und aufgrund von Erschöpfung und Nahrungsmangel einschläft und wieder wach wird, ist er verwirrt und weiß manchmal nicht mehr, dass meine Mutter tot ist und frägt bei uns telefonisch nach, wo sie denn hin ist. Wenn wir ihm dann schonend erklären, dass sie tot ist, erinnert er sich wieder daran und nach einem ca. 15minütigem Gespräch ist er wieder klar und entschuldigt sich bei uns.

Momentan sind wir gerade daran ihn in ein Seniorenstift, dass über eigene Wohnungen mit dem Service der Reinigung derselben, Mittagessen und Veranstaltungen verfügt unterzubringen. Die Besichtigung war sehr gut. Es ist sehr schön da und es hat ihm dort gut gefallen. Es wäre auch näher bei uns und da mein Vater finanziell gut gestellt ist, kann er sich diesen Luxus leisten. Das wäre eine große Beruhigung für uns, wenn er da gut untergebracht wäre. Bei der Besichtigung hat mein Vater Pläne geschmiedet und sich überlegt, wie man so eine Wohnung einrichten könnte. Zudem hat er dort einige Bekannte von früher getroffen und er kann sich das gut vorstellen dort zu wohnen. Es macht auch nicht den Eindruck eines Altersheims, sondern ist eher eine Art Hotel mit eigenen Wohnungen. Zudem gibt es ein eigenes kleines Schwimmbad (das wäre auch was für mich und für meinen Vater sowieso), eine Kegelbahn, ein Fitnessraum mit vielen Geräten (das wäre auch was für mich) und einen schönen Speisesaal, eine Bibliothek und verschiedene Aufenthalts und Veranstaltungsräume. Vor dem Gebäude ist noch ein wunderschöner liebevoll angelegter Park.

So ist momentan immer was zu tun und die Zeit vergeht schnell.

Zum Nachdenken oder Gefühle erfassen, komme ich gerade nicht. Was mein Gewicht betrifft, ist es so dass es ziemlich stabil bleibt. Allerdings zu einer Zunahme ist es nicht gekommen. Leider muss ich sagen, dass ich gerade wieder extrem auf die Kalorien achte und mich dick fühle. Meine Psychologin sprach letzte Woche wieder von einer „fehlenden Krankheitseinsicht“, was ich bestätigen kann, da ich mich völlig normal finde und nicht das Gefühl habe krankhaft dünn zu sein (mal abgesehen davon, dass ich momentan nach jeder Mahlzeit friere und mir oft schwindlig ist, aber das war ja schon öfter so und gehört für mich schon zu meinem Leben dazu).

Spaß macht mir nach wie vor mein Sport, den ich auf 4 x wöchentlich ausgedehnt habe. Also am Montag Powergymnastik, am Dienstag Fit & Fun mit Step, Springseil und Strechband (das intensivste Training), Mittwoch Bodyforming, Donnerstag nochmal Fit & Fun. Nach dem Sport bin ich glücklich und fühle mich wohl auch wenn keiner verstehen kann, dass ich mit Untergewicht Sport mache. Aber das lasse ich mir von niemandem mehr nehmen und ich versuche auch zum Ausgleich mehr zu essen (was mir zwar nicht immer gelingt aber ich versuche es zumindest).

Immerhin gehe ich noch 1 x wöchentlich zur Therapie obwohl ich diese schon oft abbrechen wollte. Aber irgendwie habe ich wohl doch noch Hoffnung, dass diese mir helfen kann und so lebe ich gerade wieder Woche zu Woche und bin gerade gefühlsmäßig dank Ana wieder weiter weg, wahrscheinlich weil mir sonst der ganze Wahnsinn der sich Leben nennt zu viel wäre...

1 Kommentar 4.4.17 23:33, kommentieren



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