reflections

Therapiestunde, Arztbesuch und die Woche ohne meinen Mann

gut gemeistert….

Am Sonntag ist mein Mann früh morgens in die USA geflogen und ich bin war nun diese Woche auf mich alleine gestellt, was ich aber gut gemeistert habe.

Der Sonntag verging recht entspannt und Sonntagnacht um Mitternacht durfte ich noch meinem Großen gratulieren, der 19 Jahre alt wurde. Da es ein Montag war, haben wir erst Nachmittags etwas gefeiert, ich habe ihm seinen Lieblingskuchen gebacken und zusammen mit ihm und seinen Geschwistern eine nette Kaffeestunde gemacht. Er hat sich sehr gefreut.

Am Mittwoch war dann wieder Therapie und ich habe meiner Psychologin, die mir die Aufgabe gestellt hatte, dass ich mir überlegen solle, wann ich es schaffe 38 Kilo zu wiegen, von meiner plötzlichen Zunahme und den damit verbundenen großen Ängsten erzählt. Sie zeigte Verständnis, ließ aber nicht locker und auf meine Frage hin ob andere Patienten in vergleichbarer Situation sich auch selber so ein Ziel setzen müssten, hat sie gemeint, dass das so wäre und dass es zwar für alle nicht leicht sei aber wenn man den festen Willen gesund zu werden hätte, wäre das, wenn es auch schwer und schmerzhaft sein, machbar. Sie fand es aber gut, dass ich so ehrlich bin und sie meinte, dass ich stark sei und es in ihren Augen schaffen könnte. Natürlich bin ich nun wieder am grübeln und hadern. Eingefallen ist mir noch nicht konkret, wann ich den Mut dazu habe auf 38 Kilo zuzunehmen und da ich in letzter Zeit ja wie schon geschrieben ohne mein Zutun zu nehme, kommt mir das noch absurder vor, da es ja nicht durch meine Anstrengung und meinen Willen geschieht. Zunächst muss ich erst mal mit dieser willkürlichen Zunahme klar kommen. Momentan fühle ich mich sowieso gerade wieder sehr dick.

Trotzdem war es eine gute Therapiestunde. Ich konnte mehr Gefühle zulassen und habe auch den Mut gefunden ihr zu erklären, dass ich unheimlich Angst davor habe vor ihr zu weinen und ich deshalb oft von mir aus viele Gefühle im Vorfeld abblocke. Nach Außen hin bzw. vor anderen Menschen möchte ich immer stark und beherrscht wirken, was nicht immer sinnvoll ist. Trotz der recht schweren Hausaufgabe bin ich recht gut gelaunt wieder nach Hause gefahren und der Abend war recht entspannt.

Am nächsten Tag hatte ich dann den Arzttermin bei meiner Freundin. Als ich ankam, war sie nirgends zu sehen und die Helferin schickte mich noch ins Wartezimmer. Da musste ich bislang noch nie hin, da sie mich immer gleich in Empfang genommen hatte. Als ich mich gerade rein gesetzt hatte, steckte sie ihren Kopf zur Türe hinein und meinte nur kurz – „da bist Du ja, komm' mit“. Da war ich ganz froh. Zunächst nahm sie mir Blut ab und dann schaute sie sich noch meinen Bauch an, der zum Glück nicht mehr ganz so aufgebläht ist. Dann hat sie ihn noch abgehorcht und meinte irgendwie fasziniert, dass sie mein Herz am Bauch abhören könne, da dort keine Fettschicht mehr sei. Ansonsten war es wie immer recht angenehm von ihr untersucht zu werden.

Dann wurde es aber doch noch ein bisschen unangenehmer für mich, denn sie wollte noch ein EKG von mir und das machte dann eine Sprechstundenhilfe. Schon beim Eingeben der Daten, nach der Frage nach Größe und Gewicht, bemerkte diese, dass mein Gewicht nicht eben viel sei – wäre ich ja nie drauf gekommen – und dann das oben ohne da liegen ist mir auch irgendwie peinlich. Der Gedanke, dass sie nun alle meine vorstehende Rippen und mein nur noch in rudimentären Teilen vorhandenen Busen zu Gesicht bekommt ist mir wirklich sehr unangenehm. Wenigstens dauert das nicht lange und ich konnte mich bald schon wieder anziehen. Dann wurde mir noch eine Überweisung zum Radiologen mitgegeben, der meinen Wasseranteil im Körper feststellen soll. Ich warte jetzt aber erst einmal die Ergebnisse der Blutuntersuchung ab, bevor ich da anrufe. Ist zwar irgendwie blöd aber ich habe da auch wieder Hemmung anzurufen, da auf dem Überweisungsschein steht „Abklärung Wasser bei Anorexie“. Das ist wieder diese Ambivalenz – ich möchte, dass man sieht, dass ich anorektisch bin und dass man das auch weiß und andererseits ist es mir unendlich peinlich. Dieses Zwischendrin, das es nun mal nicht gibt.

Immerhin weiß ich, dass ich einen „Tick“ habe, was man bei Psychologen nie sagen darf – als mir das in der letzten Therapiestunde raus rutschte, war meine Psychologin wieder sehr bestürzt und erklärte mir, dass ich doch noch ganz viel gesundes und normales an mir hätte und dass ich nicht sagen soll, dass ich einen „Tick“ habe, das sei so negativ. Ich finde das aber gar nicht so schlimm, weil es doch die Wahrheit ist.

Die restliche Woche habe ich damit verbracht „aufzuräumen“. Ich habe zwei Kellerräume umgestaltet – das Werkzeug vom Vorratsraum in die Schwerlastregale in der Waschküche verfrachtet, den Vorratsraum entmüllt, geordnet und Regale gerückt und neu gestaltet. Darin kann ich mich ganz verlieren, rücke, räume derart, dass ich sonst nichts mehr mitbekomme und bin danach zwar körperlich geschafft aber total glücklich etwas verbessert zu haben.

In der Küche habe ich dann auch noch Schubladen ausgeräumt, ausgewaschen und neu geordnet und jetzt bin ich völlig glücklich mit dieser Neugestaltung. Habe anschließend auch einen kleinen Vorrat eingekauft an Kaffee, ungesüßter Mandelmilch, verschiedene Müslis usw.

Zudem habe ich diese Woche viel gekocht und gebacken und es hat mir auch wieder viel Spaß gemacht, die Verantwortung für die Familie momentan alleine zu haben. Da ich merke, dass ich das noch gut bewältige und darüber hinaus noch Neuerungen schaffe, wächst in diesem Punkt mein Selbstbewusstsein und ich fühle mich dadurch richtig gut.

Jetzt müssen meine Blutwerte nur noch in Ordnung sein, die Gewichtszunahme sich klären und dann kann ich anfangen zu kämpfen. In letzter Zeit denke ich oft, dass es doch noch etwas anderes in meinem Leben gibt als dünn zu sein und um jeden Preis abzunehmen (aber das darf meine Ana nicht hören).

Und ich freue mich auf morgen – da kommt mein Mann wieder nach Hause ...

21.1.17 01:48

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