reflections

Der Tod meiner Mutter - (Teil 1)

am Mittwoch, den 22.02.17 trifft mich zwar nicht unvorbereitet, aber dennoch ist es nicht ganz einfach damit klar zu kommen.

Am Mittwoch gegen Mittag erreichte mich die Nachricht einer Freundin meiner Mutter per Mail, dass meine Mutter, die ja schon wochenlang im Koma lag, nun im Sterben liege und die Ärzte meinten, dass sie nur noch wenige Stunden zu leben hätte.

Ich las die Nachricht zwei Stunden später als sie gekommen war und ich wusste jetzt nicht was ich tun sollte. Mein Mann war zwar Zuhause hatte zu diesem Zeitpunkt gerade eine Telefonkonferenz und ich konnte ihm das nicht sagen. Die Freundin meiner Mutter, schrieb in der Mail, dass es schön wäre, wenn ich nochmal vorbeikommen könnte. Mein erster Gedanke war, dass ich nicht zu ihr wollte, ich dachte mir, dass ich ihren Anblick nicht ertragen könnte, der mir schon damals an ihrem Geburtstag im Januar so furchtbar war und ich zudem das Gefühl hatte, dass da nicht mehr meine Mutter liegt sondern ein Stück Fleisch in Menschengestalt, der durch die verschiedenen Maschinen beatmet, ernährt und kontrolliert wird.

Eine Stunde überlegte ich hin und her, was ich machen soll. Zwischendurch räumte ich auf, duschte und meine Gedanken drehten sich im Kreis, waren wirr und ich hatte das Gefühl, dass ich einfach nur weg will.

Nachdem mein Mann seine Telefonkonferenz beendet hatte, zeigte ich ihm die Mail, woraufhin er meinte, dass er mich ins Krankenhaus fahren würde, er selber war stark erkältet und wollte nicht bleiben. Ich solle meinen Therapietermin am frühen Abend absagen und er würde mich abends wieder abholen. Ich erklärte ihm, dass ich es alleine auf keinen Fall schaffen würde dort hinzugehen und dass ich meine Therapiestunde gerne wahrnehmen würde.

Wir redeten eine ganze Weile und mit seinem Argument, dass es für meinen Vater wichtig sei, dass ich bei ihm bin und dass er doch mitkommt und ich trotzdem zur Therapie gehe, war ich dann auch bereit, zu ihr zu gehen.

Als wir dort waren, war auch die Freundin meiner Mutter und ehemalige Arbeitskolleginnen von ihr da, was mich sehr erleichtert hat. Ich konnte auch meinen Vater in den Arm nehmen und er ließ sich richtig fallen und weinte sehr. Der Anblick meiner Mutter war fast wie immer nur dass sie blasser als sonst war und die Atemzüge sehr flach und sehr wenige pro Minute waren. Wir blieben ca. 1 Stunde und als dann noch mehr Freunde und Bekannte meiner Mutter kamen, verabschiedeten wir uns und versprachen meinem Vater am Abend wiederzukommen.

Anschließend bin ich noch in die Stadt um Besorgungen zu machen und dann zur Therapie.

Natürlich war meine Mutter und ihr baldiges Sterben das Thema der Stunde. Ich hatte das Gefühl, dass es meine Therapeutin am meisten beunruhigte, dass ich momentan gar nichts fühle. Eigentlich habe ich nur Mitleid für meinen Vater und Angst vor der Beerdigung und dem ganzen was noch so auf mich und meinen, mir zum Glück zur Seite stehenden, Mann zukommt.

Ganz klar ist es für mich und auch für meine Therapeutin, dass mein Essverhalten eher wieder schlechter wird. Jede Belastung lässt meine Ana – die mir Halt und Trost ist – wieder stärker werden. Nachdem es die letzte Woche durch meine Verletzung an der Achillissehne schon so war, dass ich weniger aß aus Angst ohne Sport zuzunehmen, wirkt sich der nächste psychische Stress natürlich auch so aus.

Als Anregung gab mir meine Psychologin noch mit, dass ich mir überlegen soll, ob ich meiner Mutter noch etwas sagen will oder eine Art Ritual machen möchte.

Mein Mann holte mich dieses Mal nach der Stunde ab und als wir auf dem Weg in die Klinik waren, erreichte uns über unseren ältesten Sohn die Nachricht, dass meine Mutter vor einer Stunde gestorben war. Diese Nachricht löste keinerlei Gefühl in mir aus. Vielleicht weil es schon zu klar war oder weil sie für mich schon im Koma liegend schon tot war – ich weiß es nicht…

Die Tür ihres Zimmers im Krankenhaus stand einen Spalt offen und mein Vater und ihre Freundin waren im Zimmer. Die Geräte waren aus, sie hatte ein Handtuch unter dem Kinn und es war ruhig. Sie war zwar noch eine Spur blasser, fast weiß im Gesicht, aber es war ein friedlicher Anblick. Es sah so viel besser aus, ohne die Schläuche in ihrem Körper.

Mein Vater weinte natürlich und streichelte meine Mutter unentwegt. Dabei erzählte er immer wieder, wie schön es damals war, als sie zusammen gewandert waren und andere für ihn wichtige und schöne Momente, die er mit ihr hatte.

Ich konnte zwar nicht mit ihr reden, schaffte es aber ihre Hand anzufassen, die, was mich sehr verwunderte, wärmer war als meine. Es war aber für mich deutlich merkbar, dass in diesem Körper kein Leben mehr war. Als mein Vater kurz das Zimmer verließ, machte mein Mann noch ein paar letzte Fotos von ihr.

Es kamen noch ein paar Bekannte um sich zu verabschieden und als alle wieder gegangen waren, haben wir meinem Vater gesagt, dass er noch mit zum Abendessen kommen soll und wir ihn dann anschließend nach Hause fahren. Er nahm dies dankbar an und bat darum noch eine viertel Stunde mit ihr alleine sein zu dürfen. Natürlich gewährten wir ihm diesen Wunsch und setzten uns in den Wartebereich der Klinik.

Dann haben wir ihre letzten Sachen, die sie noch in der Klinik gehabt hat gepackt, haben uns von den Schwestern verabschiedet und sind gegangen.

Unterwegs haben wir noch für das Abendessen eingekauft und haben Zuhause mit meinem Vater gegessen. Immerhin hat er - und ich auch – ein Brötchen gegessen und anschließend hat mein Mann ihn wieder nach Hause gefahren.

Unsere Kinder haben sehr unterschiedlich auf den Tod ihrer Oma reagiert. Unser großer Sohn hat es ruhig zur Kenntnis genommen, unsere Tochter hat geweint und unserem Kleinen haben wir es an diesem Abend noch nicht gesagt, da wir es für keine gute Idee hielten ihn kurz vor dem schlafen mit dieser Nachricht zu konfrontieren.

Irgendwie hatte ich in der Nacht die Vorstellung etwas von meiner Mutter und ihrem Tod zu träumen aber ich habe nichts geträumt und auch weiterhin nichts gefühlt...(Fortsetzung folgt)

25.2.17 18:49

Letzte Einträge: Verhandlungen mit meiner Psychologin und ein spontaner Arztbesuch, Ein neuer Sportkurs und dabei in der dritten Stunde ausgeknockt..., Gedanken, Ereignisse und Gefühle zum Tod meiner Mutter (Teil 2), Interessanter Tausch - statt einer Sorge weniger gleich zwei mehr..

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