reflections

Gedanken, Ereignisse und Gefühle zum Tod meiner Mutter (Teil 2)

Nach dem Tod meiner Mutter kam vieles auf mich zu und deshalb war es nicht so belastend wie zunächst befürchtet.

Am Tag nach ihrem Tod, hatten wir gleich am nächsten Morgen zusammen mit meinem Vater den Besuch von einem Vertreter des Bestattungsunternehmens und wir setzten gemeinsam eine Todesanzeige für die Zeitung auf und der Bestatter erklärte uns den Ablauf der Beerdigung.

Da sie eingeäschert wurde, fand zunächst die Trauerfeier mit allen Verwandten, Freunden und Bekannten statt und ein paar Tage später die Urnenbeisetzung im engsten Familienkreis.

Von der Besprechung mit dem Bestatter ist mir noch eine Sache in Erinnerung geblieben, die ich kurios fand – als ich fragte, ob wir meine Mutter den Kindern nochmal zeigen könnten, meinte dieser, dass das keine gute Idee sei, da sich Menschen die nach langer Krankheit sterben, sehr schnell unschön veränderten und der Anblick verstörend wirken könnte. Früher hätte man das noch eher machen können, da die Toten meistens eher so wie ich ausgesehen hätten, da sie meistens sehr dünn waren und oft durch Hunger oder Krankheiten mit kurzem Verlauf gestorben wären. Ich weiß noch, dass ich in diesem Moment dachte :“Na dann bin ich wenigstens eine ansehentliche Leiche“.

Für die Trauerfeier habe ich dann viele Telefonate geführt um das nach der Beerdigung geplante Kaffee trinken in einem Restaurant zu organisieren. Es war etwas schwierige eine Lokation zu bekommen, da es am Aschermittwoch war und viele Restaurants gerade wieder aufmachten und bereits ausgebucht waren. Zum Glück konnten wir in der Gaststätte, in der meine Tochter ab und zu kellnert einen kleinen Raum bekommen und ich rechnete so mit ca. 20 Gästen.

Eigentlich hatten wir Angst, dass es weniger wären aber dann trat das Gegenteil ein, wir waren 5 Personen mehr, da nicht nur die Geschwister meiner Mutter sondern zusätzlich auch eine Nichte und ein Neffe mit Familie, von denen wir nicht wussten, dass sie kommen wollten, an der Beerdigung auftauchten.

Die Trauerfeier selbst war sehr schlicht und mit einer gut gehaltenen Reede vom Pfarrer und es waren sehr viele Leute da. Mein Vater weinte sehr und suchte bei mir Halt, was ich ihm auch geben konnte. Für mich selbst war es sehr seltsam, da ich nichts fühlte und mir alle ihr Beileid aussprachen und ich fragte mich die ganze Zeit, ob das jetzt geheuchelt sei, wenn ich mich dafür bedanke und dass mit mir vielleicht etwas nicht stimmt, denn eigentlich müsste man doch völlig verzweifelt sein, wenn die Mutter stirbt. Mir kam immer der Satz „die Mutter war's was bedarf' s der Worte mehr“ in den Sinn und ich hatte ein schlechtes Gewissen, da ich dabei nichts empfand.

Obwohl ich die Trauerfeier in der Trauerhalle nicht so schlimm fand, war ich dennoch froh, als wir schließlich zum Restaurant fuhren. Wir kamen etwas später, da wir unser Wölfchen noch Zuhause abholten. Als wir schließlich im Restaurant ankamen, war es zunächst chaotisch, da meine Verwandtschaft sich darüber ärgerten, dass nicht so viel Platz in dem kleinen Nebenraum war, wie sie erwartet hätten. Dazu muss gesagt werden, dass meine Verwandtschaft mütterlicherseits recht korpulent ist und sie deshalb etwas mehr Platz zum sitzen beanspruchen und aufgrund der Tatsache, dass es nun mehr Personen als geplant waren, es tatsächlich etwas eng wurde. Als allerdings der Kaffee und der üppige Kuchen mit Schlagsahne auf den Tisch kam, beruhigten sich die Gemüter wieder und glücklich essend wurde es doch irgendwie ganz nett. Was nicht so gut für meine Psyche war, waren die Komplimente für meine tolle Figur und wie zart ich doch sei, was immer die Momente sind in denen ich daran zweifle, dass ich krank bin und dass ich etwas an meinem Essverhalten ändern soll.

Die Urnenbeisetzung fand dann fast eine Woche später statt. Mein Vater trug die Asche meiner Mutter in der Urne zum Grab begleitet von uns und einer langjährigen Freundin meiner Mutter. Die ganze Prozedur erschien mir irgendwie absurd. Um uns herum auf dem Friedhof waren Gärtner am arbeiten, liefen andere Menschen herum und da trug mein Vater seine Frau zu Grabe. Irgendwie kam ich mir völlig daneben vor und ich hatte plötzlich den abwegigen Gedanken dass ich gerne wissen würde wie viel die Urne wohl wiegt und fühlte mich schuldig, dass ich wieder nicht so andächtig in der Situation sein konnte, wie man das eigentlich sein müsste. Am Grab hat mein Vater noch eine Rede gehalten, die ziemlich an mir vorbeiging. Ich wollte nur noch weg, nicht nur weil mir kalt war.

Anschließend sind wir noch essen gegangen und da war, trotz des Essens, die Stimmung eigentlich recht gut.

Die letzte Zeit und auch momentan sind wir jetzt mit meinem Vater beschäftigt. Wir unternehmen ab und an was mit ihm und laden ihn auch zum essen ein, damit er nicht so alleine ist. Zudem hat er das Problem, wenn er alleine ist, vergisst er zu essen und läuft oder radelt stundenlang durch die Gegend. Wenn er dann wieder Zuhause ist und aufgrund von Erschöpfung und Nahrungsmangel einschläft und wieder wach wird, ist er verwirrt und weiß manchmal nicht mehr, dass meine Mutter tot ist und frägt bei uns telefonisch nach, wo sie denn hin ist. Wenn wir ihm dann schonend erklären, dass sie tot ist, erinnert er sich wieder daran und nach einem ca. 15minütigem Gespräch ist er wieder klar und entschuldigt sich bei uns.

Momentan sind wir gerade daran ihn in ein Seniorenstift, dass über eigene Wohnungen mit dem Service der Reinigung derselben, Mittagessen und Veranstaltungen verfügt unterzubringen. Die Besichtigung war sehr gut. Es ist sehr schön da und es hat ihm dort gut gefallen. Es wäre auch näher bei uns und da mein Vater finanziell gut gestellt ist, kann er sich diesen Luxus leisten. Das wäre eine große Beruhigung für uns, wenn er da gut untergebracht wäre. Bei der Besichtigung hat mein Vater Pläne geschmiedet und sich überlegt, wie man so eine Wohnung einrichten könnte. Zudem hat er dort einige Bekannte von früher getroffen und er kann sich das gut vorstellen dort zu wohnen. Es macht auch nicht den Eindruck eines Altersheims, sondern ist eher eine Art Hotel mit eigenen Wohnungen. Zudem gibt es ein eigenes kleines Schwimmbad (das wäre auch was für mich und für meinen Vater sowieso), eine Kegelbahn, ein Fitnessraum mit vielen Geräten (das wäre auch was für mich) und einen schönen Speisesaal, eine Bibliothek und verschiedene Aufenthalts und Veranstaltungsräume. Vor dem Gebäude ist noch ein wunderschöner liebevoll angelegter Park.

So ist momentan immer was zu tun und die Zeit vergeht schnell.

Zum Nachdenken oder Gefühle erfassen, komme ich gerade nicht. Was mein Gewicht betrifft, ist es so dass es ziemlich stabil bleibt. Allerdings zu einer Zunahme ist es nicht gekommen. Leider muss ich sagen, dass ich gerade wieder extrem auf die Kalorien achte und mich dick fühle. Meine Psychologin sprach letzte Woche wieder von einer „fehlenden Krankheitseinsicht“, was ich bestätigen kann, da ich mich völlig normal finde und nicht das Gefühl habe krankhaft dünn zu sein (mal abgesehen davon, dass ich momentan nach jeder Mahlzeit friere und mir oft schwindlig ist, aber das war ja schon öfter so und gehört für mich schon zu meinem Leben dazu).

Spaß macht mir nach wie vor mein Sport, den ich auf 4 x wöchentlich ausgedehnt habe. Also am Montag Powergymnastik, am Dienstag Fit & Fun mit Step, Springseil und Strechband (das intensivste Training), Mittwoch Bodyforming, Donnerstag nochmal Fit & Fun. Nach dem Sport bin ich glücklich und fühle mich wohl auch wenn keiner verstehen kann, dass ich mit Untergewicht Sport mache. Aber das lasse ich mir von niemandem mehr nehmen und ich versuche auch zum Ausgleich mehr zu essen (was mir zwar nicht immer gelingt aber ich versuche es zumindest).

Immerhin gehe ich noch 1 x wöchentlich zur Therapie obwohl ich diese schon oft abbrechen wollte. Aber irgendwie habe ich wohl doch noch Hoffnung, dass diese mir helfen kann und so lebe ich gerade wieder Woche zu Woche und bin gerade gefühlsmäßig dank Ana wieder weiter weg, wahrscheinlich weil mir sonst der ganze Wahnsinn der sich Leben nennt zu viel wäre...

4.4.17 23:33

Letzte Einträge: Der Tod meiner Mutter - (Teil 1), Interessanter Tausch - statt einer Sorge weniger gleich zwei mehr.., Ich lebe noch, Unseren Sommerurlaub 2017, Und wieder sind Sommerferien...

Werbung


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


ana-liese (5.4.17 00:18)
wir hier schätzen dich für viel zu dick ein. so wird das nichts.

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen


Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung