reflections

Interessanter Tausch - statt einer Sorge weniger gleich zwei mehr..

eigentlich dachte ich dass ich auf dem Weg zu weniger Belastung bin und wurde wieder in die Realität zurückgeholt.

Nachdem mein Vater sich dazu entschlossen hatte und sich angeblich darauf freute in das Seniorenstift einzuziehen, machte er heute Morgen eine Stunde vor der Anmeldung einen Rückzieher.

Gestern Abend hatte ich ihn noch angerufen und da hat er zwar Bedenken angemeldet, war aber dennoch entschlossen mitzukommen.

Also haben wir den Morgen schon ganz anders geplant, mein Mann hat in der Firma gesagt, dass er später zur Arbeit komme, ich bin schon früher mit dem Hund raus (habe ganz entgegen meiner derzeitigen Essensgewohnheiten etwas kohlehydrathaltiges gefrühstückt, damit mir bei der Anmeldung nicht schwindlig wird) und ich habe meinen Vater angerufen, dass wir ihn abholen.

Doch dann hat er am Telefon gemeint, dass er sich noch nicht entschieden habe dort einzuziehen. Er sei ja noch ganz fit und er könne ganz gut alleine wohnen. Angeblich hätten wir ihn gedrängt und es käme vielleicht später für ihn in Frage. Dabei ruft er uns jeden 2ten Tag an und fragt wo meine Mutter ist, zudem vergisst er ja auch oft zu essen. Davon abgesehen, nimmt das Seniorenstift richtig demente Senioren nicht mehr. Jetzt käme er noch rein, rausgeschmissen würde er bei fortschreitender Demenz nicht, es sei denn er wäre dann so, dass man ihn ständig suchen müsste.

Kurz darauf rief dann die Mitarbeiterin des Seniorenstifts an, dass der Termin eine Stunde später sei, da ihr etwas dazwischen gekommen sei. Daraufhin haben wir den Termin erst mal ganz abgesagt, da es so absolut keinen Sinn macht.

Mein Mann hat daraufhin nochmal bei meinem Vater angerufen, dass der Termin abgesagt sei. Mein Vater hat meinem Mann dann erklärt wie fit er sei und dass es nicht stimmen würde, dass er immer bei uns anruft und fragt wo meine Mutter sei, schließlich wisse er ja das sie tot sei und ausreichend essen würde er ja schließlich auch und er sei körperlich ja fit (was stimmt, da er sein Leben lang sehr viel Sport gemacht hat und es heute auch noch tut).

Das ganze passt wunderbar zu meiner Therapie gestern. Meine Therapeutin hat mich jetzt so unter Druck gesetzt, dass ich eigentlich das ganze auch abbrechen möchte. Sie meinte, dass ich noch dünner aussehen würde (was ich nicht finde und auf der Waage war es (leider) auch nicht weniger) und dass wir endlich an meine Probleme der Vergangenheit gehen müssten. Mir ist schon klar, dass ich meinen Körper ablehne aufgrund einiger Gewalt- und Missbrauchserfahrungen in meiner Kindheit und Jugend und dass auch die Anorexie eine Bewältigungsstrategie meiner posttraumatischen Belastungsstörungen ist. Soweit die einleuchtende Diagnose auf psychologischer Basis. Trotzdem fällt es mir extrem schwer darüber zu reden. Ich will mich nicht wieder als Opfer fühlen und ich will kein Mitleid. Als ich der Psychologin vor ein paar Therapiestunden eine Szene aus meiner Kindheit zum arbeiten, schilderte, war diese schon sichtlich berührt und fand das ganz furchtbar und schaute mich mitleidig an. Dabei kam das nicht wirklich an die anderen Erlebnisse heran, die ich sonst noch so erlebt habe, die sind heftiger und irgendwie habe ich Angst ihr das zu erzählen…

Eigentlich hatte ich mich dann doch während des Gesprächs darüber schon fast mit dem Gedanken angefreundet, das mal zu erzählen, was ich auch aufgrund von Scham noch nie jemanden erzählt habe und ich dachte, dass es vielleicht doch nicht so schlecht wäre, das mal loszuwerden. Doch dann nahm das Gespräch eine andere Wendung. Irgendwie sind wir dann wieder Richtung Gewicht abgebogen. Plötzlich meinte sie, dass sie es doch nicht gut findet, dass ich mit meiner Ärztin befreundet sei. Dabei ist das für mich noch so eine große Beruhigung, da ich ihr wenigstens vertraue und es ist weniger belastende von ihr gewogen zu werden, als von irgendeiner Sprechstundenhilfe (es haben mich zudem schon genügend Menschen in Unterwäsche auf der Waage gesehen und langsam habe ich da keine Lust mehr drauf, bei meiner Freundin finde ich das noch ganz ok.) Zudem will meine Freundin auch nicht dass ich sterbe, schließlich mag sie mich ja - zumindest hoffe ich das.

Dann habe ich mich leider verplappert und meiner Psychologin gesagt, dass es mir momentan ganz gut geht und ich im Sport gute Leistung bringe (da hat sie das erste Mal die Stirn gerunzelt) und dass es nur ganz wenige Momente sind wo ich überhaupt merke, dass ich Untergewicht habe, so zum Beispiel am letzten Wochenende wo ich nach dem essen von Eis in der Eisdiele irgendwie so eine Art Schüttelfrost bekommen habe und mit meiner und der Jacke meines Mannes in der Sonne saß und am ganzen Körper gezittert habe und meine Hände plötzlich eine gelbliche Farbe hatten. Das ganze war aber nach ca. einer halben Stunde wieder völlig ok und es ging mir wieder gut. Ich habe Zuhause dann im Netz gegoogelt und herausgefunden, dass es bei Untergewicht sein kann, dass es einem nach dem Eis essen sehr kalt wird und die gelben Hände können eine vorübergehende harmlose Stoffwechselstörung sein, da die Leber durch den Zuckergehalt des Eis (es war meine erste zuckerhaltige Mahlzeit an diesem Tag) plötzlich überlastet sei. Zudem habe ich ja sowieso eine nicht mehr so gute Leber, einen angeborenen leichten Herzfehler und nur noch das halbe Lungenvolumen seit einer Vergiftung mit Lösungsmitteln in meiner Jugend. Aber ich lebe immer noch und mache Sport.

Jetzt war die gute Frau völlig schockiert und meinte, dass ich in Lebensgefahr bin und dass ich nächste Woche zu meiner Ärztin soll um abzuklären, ob ich in die Klinik soll. Ich weiß aber, dass es mir gut geht und ich habe so viel um die Ohren – Termine ohne Ende und zudem will ich in den Osterferien auch viel mit meinem Jüngsten unternehmen. Ich will nicht auch noch einen Arzttermin, der sowieso nichts bringt.

Zudem habe ich mir überlegt, dass die Offenheit, die ich jetzt ja an den Tag gelegt habe, gefährlich ist und ich so kein Vertrauen zu der Therapeutin aufbauen kann. Schließlich werde ich ja dafür bestraft, dass ich ihr ganz intime Dinge anvertraue. Mir kam dann noch der Gedanke, dass sie dann ja eigentlich auch beschließen könnte mich in die Psychiatrie einzuweisen, wenn ich ihr erzähle, dass ich ab und an nachts an See gehe mit der Überlegung einfach hineinzuspringen und so weit zu schwimmen bis ich nicht mehr kann und dann einfach unterzugehen. Bisher ist es bei der Überlegung geblieben aber immerhin habe ich schon einen Plan wie ich aus dem Leben scheide, wenn es mir zu viel wird (und es ist gerade ab und an an der Grenze zum „zu viel“) und müsste sie da nicht auch handeln? Und wie soll ich da jetzt vertrauen haben?

Damit es nicht so negativ endet, möchte ich hier noch schreiben, dass ich mich auf meinen Sport heute Abend freue und dass ich mir neue Sportschuhe, eine neue Laufjacke, Laufleggings und ein Laufshirt bestellt habe und diese Sachen sollen heute und morgen geliefert werden. Darauf freue ich mich total und damit ist sichergestellt, dass ich auf jeden Fall noch ein paar Wochen freiwillig leben werde, da ich die Sachen ja noch anziehen will… (in den Osterferien geht es zum joggen und auf den Trimm-Dich-Pfad)

6.4.17 11:25

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