reflections

Der sichere Ort und "no pain -no gain"

In der Therapie soll es jetzt an weitere Szenen meiner Vergangenheit und damit verbundene Imaginationsübungen gehen in denen ich „mein verletztes Kind“ in Sicherheit bringe. Verständlicherweise habe ich davor große Angst, denn es ist ja nicht ganz so einfach sich an Dinge, die man, da man sie nicht erträgt und die man jahrelang mehr oder weniger erfolgreich verdrängt hat, zurück zu erinnern. Zudem soll man die Situationen ja noch durchleben um sie dann durch die eigene Hilfe zu entschärfen. Dabei habe ich die nächste Angst- was wenn ich das nicht kann und noch hilfloser zurückbleibe. Gleichzeitig ist da auch noch ein Stück Scham, die mich überkommt, da ich erzählen muss, wie ich ein Opfer war und das fällt mir sehr schwer, da ich sonst ganz gerne die „Starke“ raushängen lasse.

Als Hilfestellung soll mir jetzt zusätzlich ein imaginärer sicherer Ort dienen, den ich dann zusammen mit meiner Therapeutin erarbeiten sollte. Ich sollte die Augen schließen und mir vorstellen, wo ich mich sicher und geborgen fühle, wie es dort aussehen soll, wie es sich dort anfühlt mit allen Sinnen. Zunächst schien die Übung ja recht einfach und ich meinte schon bald einen sicheren Ort gefunden zu haben, doch dann begann die sichere Welt wieder zu wanken, mich beschlich in dieser Übung plötzlich ein sehr ungutes Gefühl. Ich war doch nicht sicher, da konnte jemand eindringen, mich überwältigen, mir Angst machen, diese scheinbar sichere Welt zerstören. Also versuchte ich mit Mauern, Türen und allen Vorstellungen die ich in den Kopf bekommen konnte, den Ort wieder sicher zu machen. Doch damit tat sich ein weiteres Problem auf, wenn ich alles zumachte, fühlte ich mich selbst gefangen und eingesperrt, das ging also auch nicht.

Inzwischen wollte meine Psychologin nun wissen, ob ich „meinen sicheren Ort“ nun gefunden hätte und im ersten Augenblick, wollte ich das einfach bejahen, denn ich fühlte mich wieder komplett als Versager, da ich so eine einfache Übung nicht hinbekommen habe. Aber irgendwie erschien mir das auch als komplett falsch bzw. erkannte, dass ich mir damit ja eher selber schade. Also schluckte ich meinen Stolz hinunter und sagte, dass ich keinen sicheren Ort gefunden habe und mich deshalb schlecht fühle. Zum meiner Überraschung meinte die Therapeutin dann, dass sie das öfter erlebt. Das dass hauptsächlich bei sehr traumatisierten Patienten vorkommt, hat mir allerdings nicht wirklich gefallen. Einerseits hat mich das erleichtert andererseits wegen ihrer Bemerkung wieder runter gezogen. Aber ich muss mich wohl damit abfinden, dass ich traumatisiert bin, auch wenn ich das gerne abstreiten würde.

Besagte Übung bekam ich dann als „Hausaufgabe“ und etwas gedrückt verließ ich die Praxis wieder.

Die kommenden Tage waren geprägt von viel Arbeit bei meinem Vater – seine Wohnung aufräumen und putzen. Den Kühlschrank (völlig voll und viele verdorbene und abgelaufene Sachen darin) aus zu misten und putzen, mein eigener Haushalt die Familie usw. Meine Nächte waren zudem mit nicht viel Schlaf bestückt, denn anstatt zu schlafen, fing das grübeln wieder an, was eine Weile nicht mehr so ausgeprägt war). Natürlich dachte ich sehr viel über den sicheren Ort nach, stellte mir Orte vor, verwarf sie wieder usw.

Mit den Nächten kamen dann wieder die Albträume angeschlichen. Zunächst hatte ich beim aufwachen wieder Angst und Herzklopfen, konnte mich aber nicht erinnern was ich genau geträumt hatte, dann wurde es konkreter wobei es immer darum ging ausgeliefert zu sein und es hatte immer etwas mit „fallen“ zu tun. Dieses „fallen“ das man im Traum so realistisch spürt und beim Aufwachen noch in den Knochen stecken hat.

Die Krönung war dann ein Traum, bei dem ich durch einen orientalischen Bazar laufe. Es ist wunderschön da und ich klettere über eine Art Wand, die mit wunderschönen Stoffen in vielen Farben ausgekleidet ist. Ich bin schon runter geklettert, als mir die Idee kommt nochmal darüber auf die andere Seite zu klettern. Also mache ich mich an den Aufstieg. Die Farben der Stoffe sind wunderschön und der Stoff fühlt sich auch wunderbar an, samtig, weich und er bietet genug Falten um sich daran festzuhalten. Neben mir steigen andere Menschen auf und ab, die ich allerdings nur so aus den Augenwinkeln registriere und die mich nicht stören. Zunächst ist alles gut und ich fühle mich wunderbar. Doch einen Moment später bemerke ich, wie hoch ich schon in der Wand geklettert bin und wie steil diese ist. Ich bekomme ein mulmiges Gefühl, versuche es aber noch abzustreifen. Doch die Wand und meine Situation wird immer bedrohlicher. Ich hänge immer steiler in dieser Wand und die Stoffe werden immer rauer, die Farben verblassen, ich habe keinen Halt mehr, ich versuche zu schreien, bekomme aber keinen Ton heraus. Mit schwindenden Kräften halte ich mich fest und muss hilflos, als meine Kräfte verbraucht sind, los lassen und mit einem lauten Schrei falle ich ins endlose Nichts.

Dieser Traum hat mich einige Tage verfolgt und ich hatte wieder einmal Angst einzuschlafen und so hatte ich mal wieder einige schlaflose Nächte.

In der nächsten Therapiestunde habe ich diesen Traum mit meiner Psychologin analysiert und was mir auch längst bewusst war, war die Tatsache, dass in diesem Traum alle meine Ängste vereinigt sind. Die Hilflosigkeit, die falsche Einschätzung der Situation und mein Hauptproblem die Angst die Kontrolle zu verlieren.

Wir sind dann auch nicht, wie die Therapeutin das vorgeschlagen hatte zu einer Imaginationsübung über gegangen, sondern haben uns über den Traum unterhalten. Was auch noch Thema war, war mein Vater und über diesen kamen wir dann auf Tabletten (die wir bei ihm aussortiert haben, da sie überall waren und noch von meiner Mutter stammten) und seine Drohung, dass er diese alle auf einmal nehmen wollte und sich umbringen wollte und als weiteren Gesprächsinhalt auf meinen Suizidversuch als Jugendliche, der auch mit Tabletten war. Das Trauma davor kam zur Sprache und es gelang mir tatsächlich dieses zu schildern, wobei ich meine Therapeutin wieder etwas schockte, jedenfalls war sie sehr betroffen. Allerdings schien sie es noch mehr zu ergreifen, dass ich beide Situationen bislang kaum jemand erzählt habe und damals weder zum Arzt noch zum Psychologen gegangen bin. Aber ich wollte es geheim halten, da ich dachte, ich sei selbst schuld daran. Zudem hatte ich immer den Satz meiner Mutter im Kopf „wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um“ und so hatte ich mir immer zurechtgelegt, dass ich selber schuld bin und mich geschämt.

Aber nun genug von der Therapie und zu meinem Lieblingsthema, das vielleicht auch ein bisschen krank ist aber nicht ganz so. Nach den Osterferien fing dann endlich mein geliebter Sport wieder an und die Trainerin von meiner „fit und fun -Stunde“ meinte zu Beginn, dass der Osterspeck wieder runter müsste. Die erste Stunde der Woche war eine Art Zirkeltraining für den ganzen Körper und die zweite war noch eine Spur härter. Es wurden 2 Gruppen gebildet und währen die eine Liegestützen, Kniebeugen und andere intensive Übungen machte, musste die andere während dieser Zeit am Stück Seil springen. Das war schon anspruchsvoll, ich konnte aber gut durchhalten. Das einzige was etwas zwickte war meine Achillessehne aber es war nicht so schlimm.

Mein Wunsch nach mehr Bauchübungen wurde dann anschließend noch entsprochen, denn ich habe mir das erste mal seit Jahren für unseren Urlaub am Meer zwei Bikinis gekauft. Mein Bauch ist zwar noch nicht so wie ich ihn mir wünsche aber es ist durchaus so, dass mein Mann und meine Tochter meinte ich könne einen Bikini tragen (klar mal wieder mit der Bemerkung, dass ich für eine Bikinifigur noch zunehmen müsste). Jedenfalls hoffe ich, dass ich meine überschüssige Haut und meine Streifen, die ich durch die drei Schwangerschaften habe, durch das trainieren der Bauchmuskeln noch etwas weg bekomme und mein Bauch straffer und glatter aussieht, wenn ich stehe, im liegen habe ich zu meiner heimlichen Freude einen sehr flachen Bauch, der wenn ich nichts gegessen habe sogar eine Kuhle nach innen hat.

Um mich noch auf das „no pain no gain“ in der Überschrift zu beziehen – als nach der Sportstunde die Trainerin meinte, dass diese Stunde doch recht intensiv war, aber man sich ja immer steigern müsse, quittierte sie meine obige Bemerkung mit einem zustimmenden Lächeln. Irgendwie wird sie mir immer sympathischer, da sie wohl auch etwas „verrückter“ ist was ihre Einstellung zum Sport angeht….

2.5.17 13:29

Letzte Einträge: Verhandlungen mit meiner Psychologin und ein spontaner Arztbesuch, Ein neuer Sportkurs und dabei in der dritten Stunde ausgeknockt..., Der Tod meiner Mutter - (Teil 1), Gedanken, Ereignisse und Gefühle zum Tod meiner Mutter (Teil 2), Interessanter Tausch - statt einer Sorge weniger gleich zwei mehr..

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