reflections

Und wieder sind Sommerferien...

Die Zeit vergeht so schnell, vor ungefähr 2 Jahren habe ich angefangen diesen Blog zu schreiben, um festzuhalten wie ich mich fühle und auch anderen Einblick in mein Seelenleben zu geben. Um zu zeigen, dass es zwar ein Kampf ist mit Anorexie zu leben aber dass es auch schöne Momente in meinem Leben gibt und dass ich trotzdem meinen großen Problemen mit dem Essen trotzdem gerne lebe auch wenn das für viele ein Widerspruch ist.Leider bin ich in letzter Zeit wieder am verdrängen. Ich stelle mir dann immer vor ganz normal zu sein. Glaube wie oft, dass niemand sehen kann dass ich dünn bin. Rede mir mein Essverhalten schön. Es achten schließlich viele Menschen auf ihre Ernährung achten und in der Werbung wird dies sogar immer propagiert. Ernähre Dich kalorienarm, low carb, mehr Bewegung, das alles trägt zur Gesundheit bei – auch bei mir, rede ich mir dann ein. Es kann also gar nicht so falsch sein, was ich mache….

Ich ziehe mich auch gerade sehr zurück, möchte alleine sein, die anderen verstehen mich sowieso nicht und ich glaube, dass ich langweilig bin und zu oft meine Ess-Störung in Vordergrund stelle. Und wenn ich versuche nicht über das Essen zu reden und normale Konversation zu machen ist es anstrengend weil ich meine Ana in Schach halten muss und weil es mir schwer fällt mich auf Gespräche zu konzentrieren. Zudem glaube ich dass es für die anderen zunehmend nervig sein muss, wenn ich es nicht schaffe mich zu ändern. Nach der Klinik haben ja auch viele zu mir den Kontakt abgebrochen, weil ich es nicht geschafft habe gesund zu werden.

Bin gerade auch wieder sehr stark am Zweifeln ob mir die Therapie hilft. Manchmal denke ich darüber nach, dass es so schön wäre einfach normal zu essen und dass es doch eigentlich egal ist wie dünn ich bin. Ich glaube manchmal dann sogar wirklich was die anderen sagen, dass ich mit mehr Kilo auf den Rippen besser aussehen würde.

Und irgendwie wünsche ich mir in solchen Momenten jemanden, der mich da unterstützt. Allerdings weiß ich nicht wie diese Unterstützung aussehen soll. Es müsste jemand sein, der meine Ängste wirklich versteht, der nicht den Eindruck macht nur auf diese Überlegung meinerseits gewartet zu haben und gleichzeitig sollte er aber auch nicht überrascht sein bezüglich meiner Überlegungen. Es müsste auch jemand sein zu dem ich so ein großes Vertrauen habe, dass er mir sein ok zu diesen Überlegungen geben könnte und ich es ihm glauben könnte, dass das so richtig und gut ist.

Und ganz tief in meiner Seele weiß ich, dass das eigentlich nur mein eigenes Ich sein kann und dass ich dazu eigentlich das Selbstbewußtsein und Vertrauen in mich brauche, was ich noch nicht habe und selbst nach fast vier Jahren Therapie nicht gefunden habe bzw. immer noch nicht weiß wie ich es bekommen soll…

Genug gejammert – momentan sind Ferien und die erste Zeit war sehr schön. Das Wetter war herrlich und ich bin mit meinem Jüngsten, der jetzt viel sicherer Fahrrad fahren gelernt hat – zum nahe gelegenen See geradelt und wir waren jeden Tag schwimmen. Meine Tochter ist auch wesentlich entspannter momentan und trifft sich viel mit Freunden und ist viel unterwegs. Der Große ist zwar nach wie vor viel in seinem Zimmer, geht aber zwischendurch in unseren Keller wo wir mittlerweile TRX-Bänder hängen haben und macht gezielten Muskelaufbau, was ich sehr gut finde.

Derzeit ist das Wetter leider schlecht und es ist ein wenig „saure Gurken-Zeit“ da alle Kinder sehr erkältet sind. Am schlimmsten hat es meine Tochter erwischt, die durch den Infekt dadurch auch Probleme mit ihren Zuckerwerten hat. Der Jüngste hat es schon fast überstanden, der Große ist erst seit gestern krank aber er ist meistens sehr schnell wieder fit. Ich hatte meine üblichen 2 Tage Fieber und Gliederschmerzen, jetzt bin ich wieder relativ fit und mein Mann ist so zwischen sich gut und schlecht fühlen.

Trotz der Zwangspause vom Sport und das Zuhause die Füße still halten, ging es mir gar nicht so schlecht. Ich habe viel Hörbuch gehört und gestrickt, gemalt und gelesen. Das Zimmer vom Jüngsten noch umgestellt und die Spielsachen mit denen er nicht mehr spielt in Kisten gepackt und zum auf den Dachboden stellen (das darf mein Mann dann machen – ich kann nicht auf Leitern irgendwo rauf, da bekomme ich Panik) ins obere Stockwerk gebracht.

Zwischendurch musste ich mich wieder um die Angelegenheiten meines Vaters kümmern und bekam zeitweise unangenehme Anrufe und Besuche – einmal vom Krankenhaus, wo er jeden Tag nach meiner Mutter fragt und jetzt auch aggressiv und böse wird, wenn sie ihn wieder weg schicken und der Ex-Schwager meines Vaters stand vor unserer Tür, bei dem mein Vater auch klingelt und nach meiner Mutter fragt, obwohl die Schwester meines Vaters schon über 40 Jahre von diesem Mann geschieden ist und dieser nichts mehr mit unserer Familie zu tun hat. Inzwischen habe ich erfahren, dass es wohl ein Gutachten von der Neurologin gibt, dass mein Vater dement ist und ich habe eine Bekannte von uns, die Anwältin ist und auch Betreuungen für solche Fälle annimmt, nun damit beauftragt die Angelegenheiten meines Vaters zu regeln. Ich schaffe es nicht diesen Mann, der zwar mein Vater ist, aber nie für mich da war und mich regelrecht im Stich gelassen hat, jetzt zu betreuen und für ihn da zu sein. Zum Glück verstehen das die meisten Menschen in meinem Umfeld und haben mich dabei unterstützt, so dass sich mein schlechtes Gewissen in Grenzen hält.

Momentan versuche ich von Tag zu Tag zu leben, nicht zu viel zu grübeln und mich an Kleinigkeiten zu erfreuen und wenn es nur ist, dass ich mich über den Moment freue, wenn ich im Wintergarten sitze und den Ausblick in den Garten genieße.

Irgendwie geht es ja immer weiter und noch habe ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass ich eines Tages mal wieder positiver in die Zukunft blicke, die ich hoffentlich noch habe...

11.8.17 22:05

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