reflections

Über

Ich bin 51 Jahre alt, bin verheiratet , habe 3 Kinder und einen Hund. Momentan bin ich anorektisch (magersüchtig) . Hier möchte ich meine Gedanken und Ereignisse meines teilweise mittlerweile anstrengenden Alltags aufschreiben.

Alter: 51
 


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Blog

Die Zeit vergeht und es ist tatsächlich schon 2019

lange habe ich nichts mehr geschrieben und derzeit bin ich eigentlich dabei die Blog-Einträge der letzten 3 Jahre zu lesen und zu überarbeiten um vielleicht ein Buch daraus zu machen

.Aber zunächst mal in der Zusammenfassung was sich in meinem Leben seit April letzten Jahres ereignet hat:

Im Mai musste ich überraschend in die Klinik und wurde operiert. Da das ein recht kleiner Eingriff war, konnte das ambulant gemacht werden und ich durfte die Klinik am selben Tag abends wieder verlassen.

Im August wurde dann eine OP der größeren Art vorgenommen, die ich aber auch ganz gut überstanden habe. Der 6-tägige Krankenhausaufenthalt war gut zu verkraften und nach einer Antibiotikabehandlung, die ich wegen Krankenhauskeimen anschließend nehmen musste, ging es mit der Genesung recht schnell voran und obwohl mir die 8 Wochen absolute Schonzeit zwischendurch schon zu schaffen machten und ich meinen Sport schmerzlich vermisste, habe ich auch dieses mit weniger Problemen überstanden als ich dachte.

Da mein Mann ebenfalls eine kleinere OP hatte sind wir letztes Jahr nicht in den Urlaub gefahren und haben den warmen Sommer am See genossen.

Stolz war und bin ich auch auf meine Kinder. Unser ältester Sohn hat sein Abitur gemacht – der Abi-Ball war ein sehr schönes Ereignis und meine Tochter hat einen sehr guten Realschulabschluss erreicht und auch bei ihr war eine kleinere Feier an der Schule. Unser Jüngster hat die Grundschule abgeschlossen und wird auch richtig groß.

Im September begann also für alle 3 Kinder ein neuer Lebensabschnitt. Der Große hat angefangen zu studieren, meine Tochter geht auf eine sozialpädagogischen Schule um ebenfalls in 3 Jahren ihr Abitur zu machen und unser Jüngster geht auf eine Gemeinschaftsschule.

Zu meinem Vater habe ich den Kontakt weitgehendst abgebrochen, an seinem Geburtstag und an Weihnachten habe ich ihn kurz angerufen und da sein Interesse an mir auch nicht besonders groß zu sein scheint, denke ich dass das für uns beide ok ist und da ich so besser lebe, denke ich auch dass das so bleibt. Er hat seine Betreuerin und einige liebe Menschen, die sich um ihn kümmern und so muss ich mich damit nicht belasten.

Belasten ist auch ein gutes Stichwort- ich habe beschlossen mit meiner Krankheit – anorektisch bin ich ja noch immer – anders umzugehen. Ich belaste mich nicht mehr mit meiner Vergangenheit und habe meine Psychotherapie abgebrochen. Ebenfalls belaste ich mich nicht mehr mit der Frage warum ich anorektisch bin und jammere auch nicht mehr darüber.

Ich bin auch aus sämtlichen Gruppen, die im Internet, gegen Anorexie und Ess-Störungen sind ausgetreten, da es nur ein jammern und sich selbst in den Mittelpunkt rücken ist und ich da nicht mehr „mitspielen“ möchte.

Meine Gegenwart ist wichtig – ich genieße einfach die schönen Dinge. Ich unternehme viel und setzte mir Ziele, was ich noch alles machen will. Das lässt mich dann eine Weile vergessen, dass ich aus psychologischer und ärztlicher Sicht krank bin. Ich fühle mich dann normal, freue mich und genieße den Augenblick.

Bewusst unternehme ich dann auch Dinge, auf die ich mich einerseits freue, die mir aber auch gleichzeitig Angst machen.

Zum Beispiel waren mein Mann und ich im Oktober 2 Nächte in einem Wellnesshotel und haben uns „verwöhnen“ lassen. Obwohl es für mich gruselig ist, nicht im eigenen Bett zu schlafen, weil die meisten Betten zu hart für mich sind (mittlerweile habe ich die Lösung gefunden, nach noch einer Bettdecke zu fragen und mir diese auf die Matratze zu legen, damit es weicher ist) und ich es schwer finde keine Waage zu haben, nicht zu wissen was es zu essen gibt, bzw. nicht mein gewohntes Essen zu bekommen, habe ich das doch sehr genossen und es ist wie eine kleine Auszeit von meiner Ana, die da Zuhause bleiben muss.

Und so schaffe ich es immer mehr bei Unternehmungen, meine kleine böse Freundin Zuhause zu lassen und mir was zu „gönnen“. Tatsächlich kann ich dann mehr und Lebensmittel die auf meiner Verbotsliste stehen essen und es auch genießen.

Wenn ich zurück komme ist meine Anorexie zwar noch da aber ich sehe es als Fortschritt, sie wenigstens zeitweise abzustreifen.

Gewichtsmäßig bin ich recht stabil und die Schwankungen betragen nur 1-2 Kilo mal plus und mal minus. Der Drang immer weiter Gewicht zu verlieren ist weitgehendst eingedämmt und nur selten und nur dann wenn es mir wieder psychisch alles zu viel wird, blitzt der Gedanke wieder auf aber bislang habe ich mich nach kurzer Zeit wieder gefangen.

Ich habe verstanden, dass die Ess-Störung ein wichtiger Halt für meine psychischen Probleme war und teilweise ist und so bin ich nicht nur am grübeln darüber warum ich „Arme“ so eine schlimme psychische Krankheit bekommen habe sondern sehe es als Überlebensstrategie, die mir wirklich geholfen hat und wenn ich es schaffe (und daran arbeite ich) dieser Strategie Grenzen zu setzen, werde ich eher wieder gesund als wenn ich versuche diese einfach nur zu bekämpfen.

Eigentlich war der Gedanke irgendwann einmal ein Buch aus meinen Blogeinträgen zu mache schon ab und an mal in meinem Kopf, allerdings habe ich gedacht, dass ich es erst in Angriff nehmen würde, wenn ich mich endgültig aus der Anorexie herausgekämpft habe.Und dieses Fazit ist: Das Leben muss mir schmecken, ich muss genießen, es nützt nichts zu jammern und sich selbst zu betrügen. Kein Mensch wird mich bewundern nur weil ich dünn bin und leide. Du hast es selbst in der Hand, was Du aus Deinem Leben machst auch wenn Du in der Vergangenheit viele Verletzungen erfahren hast, kannst Du aus der Gegenwart ein besseres Leben machen. Selbst wenn man zwischendurch wieder in alte Muster zurückfällt, morgen ist ein neuer Tag an dem man es besser machen kann.

In diesem Sinne wünsche ich allen die das lesen, einen guten Start ins neue Jahr mit viel positiver Energie und dem Wunsch dass jeder viele schöne Momente im neuen Jahr genießen darf

6.1.19 17:31, kommentieren

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Lost - verloren

oder auch nie gehabt – einen Vater.

Diese Erkenntnis ist zwar nicht neu doch war bisher nie wirklich bei mir angekommen. Doch jetzt ist sie da obgleich ich sie nicht wirklich fühle, weil ich gerade gar nichts fühle. Ich bin leer und dennoch von Albträumen geplagt.

Ausgelöst hat das Ganze ein einfaches Gespräch in dem es um das Erbe meiner Mutter ging. Mein Vater hat seit ein paar Monaten jetzt eine Betreuerin und diese brachte mich zu der Erkenntnis, dass mir von meiner Mutter ein Erbe zusteht und sie kümmert sich jetzt darum zu erfahren, was mir zusteht. Verwundert hat mich dabei schon, dass in dem Auszug des Nachlassgerichts bei Nachkommen – das Wort „keine“ stand und der Auskunftgeber mein Vater war. Ich hatte das dann so interpretiert, dass er meinte, dass ich nichts erben würde.

Wie dem auch sei, hat die Betreuerin mit mir und meinem Vater einen Gesprächstermin ausgemacht um darüber zu reden.

Das Gespräch fand in der Beratungsstelle statt und mein Vater wünschte ausdrücklich, dass mein Mann nicht dabei sein soll, was mich auch schon verwunderte.

Als die Betreuerin meines Vaters ansprach, dass ich etwas erben würde, reagierte mein Vater mit Unverständnis und er fand es ungeheuerlich, dass ich etwas bekommen sollte. Er schimpfte auf dieses Gesetzt und fragte, warum ich denn Geld bekommen sollte. Sehr ruhig und einfühlsam erklärte ihm die Betreuerin, dass es nicht darum geht ihm das Geld aus der Tasche zu ziehen sondern darum, dass ich etwas von meiner Mutter bekommen sollte.

Dann fing er wieder an, dass man ihm mit dem Erbschein doch gleich eine Pistole mit aushändigen soll, damit er sich erschießen könne. Die Betreuerin fand diese Bemerkung nun auch nicht wirklich angebracht und fragte ihn ob das wirklich angemessen sei so zu reden zumal seine Tochter mit am Tisch sitze und sich davon verletzt fühlen könnte.

Daraufhin kam der eigentlich sehr aufschlussreiche Satz. Mein Vater sagte: Meine Tochter ist mit einem Vater aufgewachsen, der ständig solche Bemerkungen gemacht hat und deshalb ist sie es gewöhnt und ist nicht verletzt, da sie hart im nehmen ist“. Die Betreuerin fragte mich dann nochmal, ob es mich verletzt, dass er so redet und ich sagte – mittlerweile fühlte ich mich wie ein hilfloses Kind – dass es mich schon verletzt. Mein Vater meinte daraufhin zu mir – ach was das verletzt dich doch nicht.

Ich saß an diesem Tisch, neben mir mein Vater und ich war nicht mehr in der Gegenwart. Ich durchlebte unzählige Momente, in denen ich von ihm ausgelacht, nicht ernst genommen, verspottet und gedemütigt wurde. Ich fühlte mich so hilflos, so alleine und ausgeliefert.

Unendlich erleichtert war ich als das Gespräch endlich vorbei war und ich gehen konnte. Die Betreuerin schaute mich ganz betroffen und mitleidig an. Das Gute daran ist, dass sie wohl jetzt ein anderes Bild hat von dem liebenswerten alten Mann. Trotzdem war es mir peinlich. Ich will nicht als Opfer dastehen, ich will kein Mitleid und ich bin froh, dass ich nicht weinen konnte, das wäre mir noch peinlicher gewesen. Ich hoffe, dass keiner mitbekommen hat, dass ich psychisch nicht mehr in der Gegenwart war und ich habe keine Ahnung wie ich gewirkt habe.

Ich war jedenfalls sehr froh, dass ich mich anschließend mit meiner Tochter zum Ostershopping verabredet hatte und dass mich das wieder auf andere Gedanken brachte.

Trotzdem bleibt der Schmerz, der irgendwo in meiner Seele brodelt, den ich allerdings momentan nur erahne, da er nicht wirklich an mich herankommt. Irgendwie fühle ich mich leer und einfach nur müde. Dafür habe ich jede Nacht Albträume und kann kaum schlafen.

Das Gespräch hat meine ganze Kindheit und Jugend wieder so präsent gemacht und ich verstehe immer mehr, was mich so fertig macht. Dieses Art, mich nicht ernst zu nehmen, dieses Unvermögen meiner Eltern mich ernst zu nehmen, ihre Grenzen derart zu überschreiten in dem sie mir immer sagten, wie ich mich fühlen würde und wenn ich es anders empfand mich dazu zu bringen, dass ich mich dafür geschämt habe. Die Aussage meiner Mutter damals als ich als ich dann in die Pubertät kam und fragte, wieso mein Vater nicht mehr mit mir redet : Er verkraftet es nicht, dass Du eine Frau wirst – die dazu führte, dass ich dass erste Mal bewusst Gewicht verlor, da ich keine weiblichen Formen haben wollte.

Zudem trauere ich um meine Mutter, die sich so alleine gefühlt haben muss. Ich glaube, dass sie mich nur deshalb so geschlagen hat, da sie keine Hilfe hatte, sich ebenfalls im Stich gelassen fühlte, denn so wirklich ernst genommen hat mein Vater sie auch nicht. Sie war immer gut genug meinen Vater zu umsorgen aber für sie war er nie da. In den letzten Jahren mit ihrer Krankheit ist er auch immer tagelang weg gegangen und hat nicht mehr mit ihr geredet. Sie hat mich oft angerufen und geweint, dass sie so alleine sei.

Alleine war sie in dieser Beziehung wohl immer und dann bekam sie noch dieses eine Kind, dass von Anfang an krank war, nicht essen konnte und wollte und das immer anders war als andere Kinder…..

Am liebsten würde ich die Zeit zurückdrehen und ihr eine andere Tochter sein oder sogar der gewünschte Sohn, der auf Bäume klettert und ihr gut gekochtes Essen mit Genuss isst und ihr die Freude macht, die sie verdient gehabt hätte.

Momentan weiß ich gar nicht wie ich mit diesen, zwar nicht neuen aber wieder aufgefrischten schmerzhaften Gefühlen umgehen soll. Ich klammere mich an Ana und bin froh, dass sie mir die Gefühle noch dämpfen kann.

Körperlich bin ich ganz fit, bin am überlegen ob ich an einem Frauenlauf Ende April hier mitmache. Einmal bin ich die Strecke von 7,2 km schon gelaufen und habe dazu 41 Minuten gebraucht, was dafür, dass ich sonst nie jogge, nicht schlecht ist. Doof ist nur, dass ich mich wieder dabei übernommen habe und nach dieser Strecke noch weiter gelaufen bin, da ich so im angenehmen Flow war und jetzt einige Tage Schmerzen im linken Fuß hatte, wohl durch die Überlastung.

Seit gestern tut mir der Fuß nicht mehr weh und morgen werde ich die Strecke nochmal laufen und mich dann wahrscheinlich zum Lauf anmelden.

Sport und Kontrolle über mein Essen sind gerade der Halt in meinem Leben und momentan bin ich froh, dass ich wenigstens so etwas Halt habe, denn sonst wüsste ich nicht was mit mir passieren würde….

4.4.18 04:52, kommentieren



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