reflections

Über

Ich bin 51 Jahre alt, bin verheiratet , habe 3 Kinder und einen Hund. Momentan bin ich anorektisch (magersüchtig) . Hier möchte ich meine Gedanken und Ereignisse meines teilweise mittlerweile anstrengenden Alltags aufschreiben.

Alter: 51
 


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Blog

Selbstreflexion

und die ziemlich intensiv

durchlebe ich gerade mit dem durchlesen von fast 3 Jahren Blogtagebuch.

Und das ist anstrengender als ich gedacht habe. Viele Einträge sind mir im Nachhinein fast peinlich und es fühlt sich tatsächlich so an als ob nicht ich so manchen Eintrag verfasst habe sondern mein zweites Ich, meine böse Freundin Ana.

Obwohl es momentan nicht viel anders ist, nervt es mich schon fast selber, wie sich mein ganzes Leben nur um Kalorien, Gewicht und BMI dreht. Da ist tatsächlich nicht mehr viel Platz für andere, wertvollere Dinge. Unerträglich ist teilweise auch das Gejammere über die körperlichen Auswirkungen und über das Unverständnis der Mitmenschen dem gegenüber. Wenn ich das lese, habe ich selbst für meine eigene Person kein Verständnis geschweige denn Mitgefühl.

Aber da es nun so war und teilweise ist muss ich es akzeptieren und versuchen es zu änderen.

Momentan habe ich gerade wieder extreme Gefühlsschwankungen von „zu Tode betrübt“ bis zu „ephorisch“ ist gerade alles dabei. Ich weine, bin zornig, motzte rum und habe das Gefühl, daß ich das alles mal ausleben muß (was für meine Familie leider nicht gerade toll ist). Ich will weg von dem jammernden Etwas, was ich bin. Ich will stark sein.

Auch wenn sich das Essen nicht geändert hat nach den Jahren und ich nicht glaube dass sich unbedingt in dieser Hinsicht viel ändert (was momentan zumindest körperlich nicht dramatisch ist, da mein BMI in einem recht stabilen Bereich ist) habe ich gelernt, dass das Essen nicht mein eigentliches Problem ist und dass ich um stabiler zu werden meine Ess-Störung nicht bekämpfen darf, denn dadurch wird sie nur stärker.

Ich denke, dass ich meine Ana verstehen und zähmen muss. Dann kann ich ihr Grenzen setzten und sie beherrschen anstatt sie mich. Sie muss nicht ausziehen, es reicht, wenn sie im Nebenraum einen Platz bekommt und ich sie wegschicken kann ohne sie ganz zu verbannen. Das nimmt den Druck von mir und das Gefühl, dass sie noch da ist gibt Sicherheit und diese hilft die Grenzen zu setzten die notwendig sind damit mein Leben lebenswert wird und sich nicht nur die ganze Zeit um sie dreht.

Heute habe ich einen guten Tag. Ich habe die Nacht gut geschlafen, habe einige Blogeinträge durchgelesen und halte trotz der nicht so erbaulichen Einträge daran fest ein Buch daraus zu machen auch wenn das noch einige Zeit dauern wird und ich keine Ahnung habe ob sich jemand dafür interessieren wird.

Zudem habe ich noch beschlossen meiner Therapeutin einen Brief zu schreiben und ihr zu erklären warum ich nicht mehr zur Therapie komme und darin zu erklären, was ich nach einigen Jahren mit Ess-Störung glaube was wirklich helfen könnte nämlich die Ess-Störung so in Schach zu halten, dass es möglich ist ein gutes Leben zu leben. Einfach durch Akzeptanz und kleine positive Erlebnisse, die jedes Mal dafür sorgen, dass man Ana ohne Gewissensbisse einfach ins „andere Zimmer“ schickten kann.

22.1.19 15:16, kommentieren

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Die Zeit vergeht und es ist tatsächlich schon 2019

lange habe ich nichts mehr geschrieben und derzeit bin ich eigentlich dabei die Blog-Einträge der letzten 3 Jahre zu lesen und zu überarbeiten um vielleicht ein Buch daraus zu machen

.Aber zunächst mal in der Zusammenfassung was sich in meinem Leben seit April letzten Jahres ereignet hat:

Im Mai musste ich überraschend in die Klinik und wurde operiert. Da das ein recht kleiner Eingriff war, konnte das ambulant gemacht werden und ich durfte die Klinik am selben Tag abends wieder verlassen.

Im August wurde dann eine OP der größeren Art vorgenommen, die ich aber auch ganz gut überstanden habe. Der 6-tägige Krankenhausaufenthalt war gut zu verkraften und nach einer Antibiotikabehandlung, die ich wegen Krankenhauskeimen anschließend nehmen musste, ging es mit der Genesung recht schnell voran und obwohl mir die 8 Wochen absolute Schonzeit zwischendurch schon zu schaffen machten und ich meinen Sport schmerzlich vermisste, habe ich auch dieses mit weniger Problemen überstanden als ich dachte.

Da mein Mann ebenfalls eine kleinere OP hatte sind wir letztes Jahr nicht in den Urlaub gefahren und haben den warmen Sommer am See genossen.

Stolz war und bin ich auch auf meine Kinder. Unser ältester Sohn hat sein Abitur gemacht – der Abi-Ball war ein sehr schönes Ereignis und meine Tochter hat einen sehr guten Realschulabschluss erreicht und auch bei ihr war eine kleinere Feier an der Schule. Unser Jüngster hat die Grundschule abgeschlossen und wird auch richtig groß.

Im September begann also für alle 3 Kinder ein neuer Lebensabschnitt. Der Große hat angefangen zu studieren, meine Tochter geht auf eine sozialpädagogischen Schule um ebenfalls in 3 Jahren ihr Abitur zu machen und unser Jüngster geht auf eine Gemeinschaftsschule.

Zu meinem Vater habe ich den Kontakt weitgehendst abgebrochen, an seinem Geburtstag und an Weihnachten habe ich ihn kurz angerufen und da sein Interesse an mir auch nicht besonders groß zu sein scheint, denke ich dass das für uns beide ok ist und da ich so besser lebe, denke ich auch dass das so bleibt. Er hat seine Betreuerin und einige liebe Menschen, die sich um ihn kümmern und so muss ich mich damit nicht belasten.

Belasten ist auch ein gutes Stichwort- ich habe beschlossen mit meiner Krankheit – anorektisch bin ich ja noch immer – anders umzugehen. Ich belaste mich nicht mehr mit meiner Vergangenheit und habe meine Psychotherapie abgebrochen. Ebenfalls belaste ich mich nicht mehr mit der Frage warum ich anorektisch bin und jammere auch nicht mehr darüber.

Ich bin auch aus sämtlichen Gruppen, die im Internet, gegen Anorexie und Ess-Störungen sind ausgetreten, da es nur ein jammern und sich selbst in den Mittelpunkt rücken ist und ich da nicht mehr „mitspielen“ möchte.

Meine Gegenwart ist wichtig – ich genieße einfach die schönen Dinge. Ich unternehme viel und setzte mir Ziele, was ich noch alles machen will. Das lässt mich dann eine Weile vergessen, dass ich aus psychologischer und ärztlicher Sicht krank bin. Ich fühle mich dann normal, freue mich und genieße den Augenblick.

Bewusst unternehme ich dann auch Dinge, auf die ich mich einerseits freue, die mir aber auch gleichzeitig Angst machen.

Zum Beispiel waren mein Mann und ich im Oktober 2 Nächte in einem Wellnesshotel und haben uns „verwöhnen“ lassen. Obwohl es für mich gruselig ist, nicht im eigenen Bett zu schlafen, weil die meisten Betten zu hart für mich sind (mittlerweile habe ich die Lösung gefunden, nach noch einer Bettdecke zu fragen und mir diese auf die Matratze zu legen, damit es weicher ist) und ich es schwer finde keine Waage zu haben, nicht zu wissen was es zu essen gibt, bzw. nicht mein gewohntes Essen zu bekommen, habe ich das doch sehr genossen und es ist wie eine kleine Auszeit von meiner Ana, die da Zuhause bleiben muss.

Und so schaffe ich es immer mehr bei Unternehmungen, meine kleine böse Freundin Zuhause zu lassen und mir was zu „gönnen“. Tatsächlich kann ich dann mehr und Lebensmittel die auf meiner Verbotsliste stehen essen und es auch genießen.

Wenn ich zurück komme ist meine Anorexie zwar noch da aber ich sehe es als Fortschritt, sie wenigstens zeitweise abzustreifen.

Gewichtsmäßig bin ich recht stabil und die Schwankungen betragen nur 1-2 Kilo mal plus und mal minus. Der Drang immer weiter Gewicht zu verlieren ist weitgehendst eingedämmt und nur selten und nur dann wenn es mir wieder psychisch alles zu viel wird, blitzt der Gedanke wieder auf aber bislang habe ich mich nach kurzer Zeit wieder gefangen.

Ich habe verstanden, dass die Ess-Störung ein wichtiger Halt für meine psychischen Probleme war und teilweise ist und so bin ich nicht nur am grübeln darüber warum ich „Arme“ so eine schlimme psychische Krankheit bekommen habe sondern sehe es als Überlebensstrategie, die mir wirklich geholfen hat und wenn ich es schaffe (und daran arbeite ich) dieser Strategie Grenzen zu setzen, werde ich eher wieder gesund als wenn ich versuche diese einfach nur zu bekämpfen.

Eigentlich war der Gedanke irgendwann einmal ein Buch aus meinen Blogeinträgen zu mache schon ab und an mal in meinem Kopf, allerdings habe ich gedacht, dass ich es erst in Angriff nehmen würde, wenn ich mich endgültig aus der Anorexie herausgekämpft habe.Und dieses Fazit ist: Das Leben muss mir schmecken, ich muss genießen, es nützt nichts zu jammern und sich selbst zu betrügen. Kein Mensch wird mich bewundern nur weil ich dünn bin und leide. Du hast es selbst in der Hand, was Du aus Deinem Leben machst auch wenn Du in der Vergangenheit viele Verletzungen erfahren hast, kannst Du aus der Gegenwart ein besseres Leben machen. Selbst wenn man zwischendurch wieder in alte Muster zurückfällt, morgen ist ein neuer Tag an dem man es besser machen kann.

In diesem Sinne wünsche ich allen die das lesen, einen guten Start ins neue Jahr mit viel positiver Energie und dem Wunsch dass jeder viele schöne Momente im neuen Jahr genießen darf

6.1.19 17:31, kommentieren



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