reflections

Über

Ich bin 50 Jahre alt, bin verheiratet , habe 3 Kinder und einen Hund. Momentan bin ich anorektisch (magersüchtig) . Hier möchte ich meine Gedanken und Ereignisse meines teilweise mittlerweile anstrengenden Alltags aufschreiben.

Alter: 50
 


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Lost - verloren

oder auch nie gehabt – einen Vater.

Diese Erkenntnis ist zwar nicht neu doch war bisher nie wirklich bei mir angekommen. Doch jetzt ist sie da obgleich ich sie nicht wirklich fühle, weil ich gerade gar nichts fühle. Ich bin leer und dennoch von Albträumen geplagt.

Ausgelöst hat das Ganze ein einfaches Gespräch in dem es um das Erbe meiner Mutter ging. Mein Vater hat seit ein paar Monaten jetzt eine Betreuerin und diese brachte mich zu der Erkenntnis, dass mir von meiner Mutter ein Erbe zusteht und sie kümmert sich jetzt darum zu erfahren, was mir zusteht. Verwundert hat mich dabei schon, dass in dem Auszug des Nachlassgerichts bei Nachkommen – das Wort „keine“ stand und der Auskunftgeber mein Vater war. Ich hatte das dann so interpretiert, dass er meinte, dass ich nichts erben würde.

Wie dem auch sei, hat die Betreuerin mit mir und meinem Vater einen Gesprächstermin ausgemacht um darüber zu reden.

Das Gespräch fand in der Beratungsstelle statt und mein Vater wünschte ausdrücklich, dass mein Mann nicht dabei sein soll, was mich auch schon verwunderte.

Als die Betreuerin meines Vaters ansprach, dass ich etwas erben würde, reagierte mein Vater mit Unverständnis und er fand es ungeheuerlich, dass ich etwas bekommen sollte. Er schimpfte auf dieses Gesetzt und fragte, warum ich denn Geld bekommen sollte. Sehr ruhig und einfühlsam erklärte ihm die Betreuerin, dass es nicht darum geht ihm das Geld aus der Tasche zu ziehen sondern darum, dass ich etwas von meiner Mutter bekommen sollte.

Dann fing er wieder an, dass man ihm mit dem Erbschein doch gleich eine Pistole mit aushändigen soll, damit er sich erschießen könne. Die Betreuerin fand diese Bemerkung nun auch nicht wirklich angebracht und fragte ihn ob das wirklich angemessen sei so zu reden zumal seine Tochter mit am Tisch sitze und sich davon verletzt fühlen könnte.

Daraufhin kam der eigentlich sehr aufschlussreiche Satz. Mein Vater sagte: Meine Tochter ist mit einem Vater aufgewachsen, der ständig solche Bemerkungen gemacht hat und deshalb ist sie es gewöhnt und ist nicht verletzt, da sie hart im nehmen ist“. Die Betreuerin fragte mich dann nochmal, ob es mich verletzt, dass er so redet und ich sagte – mittlerweile fühlte ich mich wie ein hilfloses Kind – dass es mich schon verletzt. Mein Vater meinte daraufhin zu mir – ach was das verletzt dich doch nicht.

Ich saß an diesem Tisch, neben mir mein Vater und ich war nicht mehr in der Gegenwart. Ich durchlebte unzählige Momente, in denen ich von ihm ausgelacht, nicht ernst genommen, verspottet und gedemütigt wurde. Ich fühlte mich so hilflos, so alleine und ausgeliefert.

Unendlich erleichtert war ich als das Gespräch endlich vorbei war und ich gehen konnte. Die Betreuerin schaute mich ganz betroffen und mitleidig an. Das Gute daran ist, dass sie wohl jetzt ein anderes Bild hat von dem liebenswerten alten Mann. Trotzdem war es mir peinlich. Ich will nicht als Opfer dastehen, ich will kein Mitleid und ich bin froh, dass ich nicht weinen konnte, das wäre mir noch peinlicher gewesen. Ich hoffe, dass keiner mitbekommen hat, dass ich psychisch nicht mehr in der Gegenwart war und ich habe keine Ahnung wie ich gewirkt habe.

Ich war jedenfalls sehr froh, dass ich mich anschließend mit meiner Tochter zum Ostershopping verabredet hatte und dass mich das wieder auf andere Gedanken brachte.

Trotzdem bleibt der Schmerz, der irgendwo in meiner Seele brodelt, den ich allerdings momentan nur erahne, da er nicht wirklich an mich herankommt. Irgendwie fühle ich mich leer und einfach nur müde. Dafür habe ich jede Nacht Albträume und kann kaum schlafen.

Das Gespräch hat meine ganze Kindheit und Jugend wieder so präsent gemacht und ich verstehe immer mehr, was mich so fertig macht. Dieses Art, mich nicht ernst zu nehmen, dieses Unvermögen meiner Eltern mich ernst zu nehmen, ihre Grenzen derart zu überschreiten in dem sie mir immer sagten, wie ich mich fühlen würde und wenn ich es anders empfand mich dazu zu bringen, dass ich mich dafür geschämt habe. Die Aussage meiner Mutter damals als ich als ich dann in die Pubertät kam und fragte, wieso mein Vater nicht mehr mit mir redet : Er verkraftet es nicht, dass Du eine Frau wirst – die dazu führte, dass ich dass erste Mal bewusst Gewicht verlor, da ich keine weiblichen Formen haben wollte.

Zudem trauere ich um meine Mutter, die sich so alleine gefühlt haben muss. Ich glaube, dass sie mich nur deshalb so geschlagen hat, da sie keine Hilfe hatte, sich ebenfalls im Stich gelassen fühlte, denn so wirklich ernst genommen hat mein Vater sie auch nicht. Sie war immer gut genug meinen Vater zu umsorgen aber für sie war er nie da. In den letzten Jahren mit ihrer Krankheit ist er auch immer tagelang weg gegangen und hat nicht mehr mit ihr geredet. Sie hat mich oft angerufen und geweint, dass sie so alleine sei.

Alleine war sie in dieser Beziehung wohl immer und dann bekam sie noch dieses eine Kind, dass von Anfang an krank war, nicht essen konnte und wollte und das immer anders war als andere Kinder…..

Am liebsten würde ich die Zeit zurückdrehen und ihr eine andere Tochter sein oder sogar der gewünschte Sohn, der auf Bäume klettert und ihr gut gekochtes Essen mit Genuss isst und ihr die Freude macht, die sie verdient gehabt hätte.

Momentan weiß ich gar nicht wie ich mit diesen, zwar nicht neuen aber wieder aufgefrischten schmerzhaften Gefühlen umgehen soll. Ich klammere mich an Ana und bin froh, dass sie mir die Gefühle noch dämpfen kann.

Körperlich bin ich ganz fit, bin am überlegen ob ich an einem Frauenlauf Ende April hier mitmache. Einmal bin ich die Strecke von 7,2 km schon gelaufen und habe dazu 41 Minuten gebraucht, was dafür, dass ich sonst nie jogge, nicht schlecht ist. Doof ist nur, dass ich mich wieder dabei übernommen habe und nach dieser Strecke noch weiter gelaufen bin, da ich so im angenehmen Flow war und jetzt einige Tage Schmerzen im linken Fuß hatte, wohl durch die Überlastung.

Seit gestern tut mir der Fuß nicht mehr weh und morgen werde ich die Strecke nochmal laufen und mich dann wahrscheinlich zum Lauf anmelden.

Sport und Kontrolle über mein Essen sind gerade der Halt in meinem Leben und momentan bin ich froh, dass ich wenigstens so etwas Halt habe, denn sonst wüsste ich nicht was mit mir passieren würde….

4.4.18 04:52, kommentieren

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Morgen sind die Schulferien wieder zu Ende

und ich sitze mal wieder schlaflos um 2.30 Uhr hier alleine im Wohnzimmer und schreibe.

Die letzten Tage hat das Schlafen eigentlich ganz gut geklappt, wenn man davon absieht, dass ich meistens gegen 3 Uhr morgens ins Bett bin und dann bis 10 oder manchmal sogar 11 Uhr geschlafen habe. Ich bin irgendwie doch eher eine Eule und so habe ich in den Ferien wenigstens genügend Schlaf bekommen und wundere mich nun nicht wirklich, dass ich, da ich bereits um 0 Uhr versucht habe zu schlafen, weil ich um 6.45 Uhr wieder raus muss, nicht einschlafen konnte und deshalb wieder aufgestanden bin.

Die letzten Tage waren recht beschaulich und ich war psychisch recht stabil, was auch daran lag, dass ich mehr Freiraum seitens meiner Familie bekommen habe.

Einerseits habe ich viel Zeit für mich bekommen, da jeder der Familienmitglieder sich seinem Hobby gewidmet hat und ich zwar ab und an mich noch etwas um den Jüngsten gekümmert habe und auch mit diesem Unternehmungen machte , die mir ebenfalls gefielen (wir haben zusammen gemalt und neben her Hörbücher gehört, sind mit dem Hund gelaufen und er fuhr mit dem Fahrrad nebenher und ein Besuch im Zoo war auch noch dabei, der sehr schön war) andererseits hatte ich das Gefühl dass ich – auch wenn es um das für mich und meine Familie angespannte Thema Ernährung ging, auch ernster genommen wurde.

So habe ich mich entschlossen, was ich schon immer wollte, mich nun endgültig vegetarisch zu ernähren, da ich es von meiner Seite her schon immer inkonsequent gehalten habe, Fleisch zu essen obwohl ich gegen Massentierhaltung, Tiertransporte bin und zudem kein Tier selber töten könnte um es zu essen. Anders sieht es tatsächlich bei Fischen und Meerestieren wie Krabben aus, diese könnte ich töten und deshalb dürfen die gerne auf meinem Speiseplan bleiben.

Meine Jungs dürfen weiterhin ihr Fleisch essen, meine Tochter möchte es nur ab und zu und so gab es jetzt jedes Mal wenn es Fleisch gab eine fleischfreie Alternative für mich und wenn gewünscht auch für meine Tochter.

Ich glaube zudem, dass wenn der Druck bezüglich des Essens weg ist, es besser geht. Als wir gestern bei einem lieben Kollegen meines Mannes zum Kaffee eingeladen wurden, habe ich zu meinem Mann gesagt, dass ich möchte, dass er ihm sagt, dass seine Frau keinen Kuchen backen muss, da mich dass unter Druck setzt. Und tatsächlich hatte sie nicht gebacken (obwohl sie wirklich leckeren Kuchen backen kann) und so kamen Plätzchen und Studentenfutter auf den Tisch und ich war richtig erleichtert. Es war ein sehr unbeschwerter Nachmittag und wir haben uns toll unterhalten. Als wir wieder Zuhause waren, war ich so entspannt, dass es auch kein Problem war, als meine Tochter den Wunsch hatte noch essen zu gehen.

Es war auch gut, dass ich an jenem Tag abgelenkt war, denn es war der Geburtstag meiner Mutter und obwohl ich nicht wirklich um sie trauere, musste ich schon öfter an sie denken. Irgendwie kommt mir derzeit immer wieder der Gedanke, dass ich eine bessere Tochter hätte sein müssen. Ich habe sie nicht glücklich gemacht. Vielleicht hätte ich mich noch mehr anstrengen müssen, mehr auf sie eingehen, mehr verstehen müssen, was sie von mir erwartet. Sie war so oft enttäuscht von mir. Wenn ich gewusst hätte, dass sie nach der Operation nicht mehr aufwacht, hätte ich nochmal das Gespräch mit ihr gesucht um zu verstehen warum unsere Beziehung so schwierig war. Aber das ist verschüttete Milch, ich kann die Zeit nicht mehr zurückdrehen. Was bleibt ist mein schlechtes Gewissen. Das schlechte Gewissen, was ich auch habe wenn ich an meinen Vater denke, den ich nicht auffangen kann, der mir zwar Leid tut in seiner Einsamkeit und seiner Verwirrtheit aber dem ich nicht helfen kann, ihn nur so schwer ertragen kann, dem ich auch keine liebe Tochter sein kann und ich hoffe, dass meine Eltern mir nach dem Tod verzeihen können, dass ich keine gute Tochter war.

Derzeit strenge ich mich wenigstens an, eine gute Mutter und Frau zu sein. Ich versuche mehr da zu sein, nicht mehr so oft in meine Traumwelt abzutauchen, mehr zu zuhören, ihnen öfter zu sagen, dass ich sie liebe und hoffe, dass sie das auch spüren.

Immerhin waren die letzten Tag recht harmonisch und morgen hat uns der Alltag wieder.

Für morgen Früh ist schon alles vorbereitet, der Frühstückstisch gedeckt, der Tee den mein Jüngster in die Schule mitnimmt gekocht, die Sportsachen frisch gewaschen im Turnbeutel und die Kleidung für den Jüngsten für morgen früh bereit gelegt.

Morgen Abend geht es wieder zur Power Gymnastik und am Dienstag und Donnerstag in den Sportkurs bei meiner Freundin darauf freue ich mich wieder.

Am Freitag steht uns noch ein Elterngespräch mit der Ergotherapeutin unseres Jüngsten bevor und dann in den kommenden Tagen noch ein Lehrergespräch der Schule denn jetzt werden die Weichen für die weiterführende Schule für unsern Jüngsten gestellt.

Am Dienstag kommt voraussichtlich noch ein neues Küchenmaschinchen – wir haben uns noch einen Dörrautomaten bestellt, da wir so leckeres Trockenobst bei dem Kollegen meines Mannes gegessen haben, welches dieser in einem solchen Dörrobstautomaten herstellt. Jetzt haben wir uns die letzten zwei Tage damit befasst und nachdem mein Mann gelesen hat, dass man neben Obst auch Fleisch darin trocknen kann, war auch er davon angetan und wir haben die Maschine bestellt. Ich liebe ja Küchengeräte und bin schon gespannt, was ich da alles mit machen kann.

Jetzt werde ich noch etwas stricken – ich arbeite schon seit längerem an einer Decke in verschiedenen Blautönen für meinen ältesten Sohn und hoffe, dass ich sie noch als Zusatzgeschenk für seinen Geburtstag nächste Woche fertigstellen kann.

8.1.18 03:15, kommentieren



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