reflections

Über

Ich bin 50 Jahre alt, bin verheiratet , habe 3 Kinder und einen Hund. Momentan bin ich anorektisch (magersüchtig) . Hier möchte ich meine Gedanken und Ereignisse meines teilweise mittlerweile anstrengenden Alltags aufschreiben.

Alter: 50
 


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Blog

Positiv und selbstbestimmt oder negativ und destruktiv?

Noch kann ich es nicht einordnen aber ich habe jetzt eine Therapiepause bis nach Pfingsten. Das habe ich mit der Psychologin in der letzten Sitzung vereinbart.

Ich hatte sie darauf angesprochen, dass mir es irgendwie doch nicht schlüssig war, warum jetzt, in meinen Augen so plötzlich, der Rhythmus von 1 x wöchentlich auf 14-tägig bezüglich der Therapie gesetzt wurde. Meine Psychologin erklärte mir, dass wir ja gerade kein so richtige Thema hätten und ich mich auch nicht wirklich auf die richtig therapeutische Arbeit einlassen könnte und bevor wir die bereits genehmigten Stunden vergeuden würden, wäre es sinnvoll diese aufzuheben.Dann schlug sie vor, da ich es für mich nicht sinnvoll fand, jetzt 14tägig zur Therapie zu kommen, eine längere Pause zu machen. Und wir vereinbarten die Therapie ein paar Monate ruhen zu lassen. Ich könnte aber jederzeit anrufen und einen Termin vereinbaren und ich sei nicht austherapiert. Nach den Pfingstferien würden wir wieder starten.

Irgendwie bin ich mit ihrer Erklärung nicht ganz zufrieden und ich suche natürlich die Schuld wieder bei mir. Natürlich habe ich gerne die Stunden „verplappert“ und viel von meinem Alltag erzählt, wobei da natürlich auch viel dabei war, was ich sonst niemandem erzählen würde, da ich mich in Gefühlsdingen meistens anderen Personen nicht so ganz anvertrauen kann. Bei der Psychologin konnte ich teilweise meine Emotionen rauslassen, da sie ja auch nichts weitererzählen darf, das hat mir eine gewisse Sicherheit gegeben. Aufpassen musste ich nur, wenn ich Ana nicht unter Kontrolle hatte, da auch meine Psychologin natürlich hellhörig wurde, wenn ich Sport und Gewichtsabnahme als Thema hervorbrachte und mich ,wie schon vorgekommen, zum Arzt schicken wollte.

Als ich aus der Praxis lief, dachte ich mir, dass ich jetzt frei bin. Ich muss keine Gewichtsbescheinigung mehr vorlegen, keine schwierigen Themen aus der Vergangenheit bearbeiten und kann mich völlig normal finden, da ich ja nicht mehr zur Therapie gehe (das war ein Mal pro Woche das Zeichen, dass etwas nicht mit mir stimmt).

Ich weiß noch nicht wohin meine Reise jetzt geht - es kann eine Chance sein, mein Leben und auch die Ess-Störung selbstbestimmt ins Positive zu bringen oder eine komplette Verdrängung und die Sichtweise von Ana stärker werden zu lassen und noch weiter abzunehmen.

Die letzten 2 Wochen ging es eigentlich ganz gut, ich habe abends für mich mein vegetarisches Mahl gekocht, damit der Rest der Familie dadurch nicht belastet wird und sie essen können wie sie wollen.

Die Vorbereitungen für mein Essen machte ich schon am Nachmittag und es machte mir auch sehr viel Spaß die Rezepte anzuschauen und ich habe einen Kompromiss zwischen der Kalorienanzahl und den Nährstoffen, die mein Körper braucht zu schließen. Also waren es mehr Kalorien als es Ana gefällt, allerdings trotzdem noch nicht so viele wie ein normaler Mensch essen würde und ich habe darauf geachtet, dass das Verhältnis von Eiweiß, Kohlehydraten und Fett ausgewogen ist.

Einmal hat mein Essen als ich einen Teil vorbereitet habe, so gut gerochen, dass mein großer Sohn, der eigentlich lieber Fleisch ißt, mein Essen mitessen wollte. Das hat mich sehr gefreut, mich aber gleichzeitig etwas gestresst, da ich die Menge nochmal erhöhen musste und mich das dann doch etwas überfordert hat, da es dann nicht so war wie im Originalrezept (so ganz unkompliziert es bei mir einfach noch nicht).

Nebenbei habe ich versucht mich auf Dinge zu konzentrieren, die mir Spaß machen und mir gut tun. Habe viel gelesen, gestrickt und gemalt und war sogar mit einer Freundin im Kosmetiksalon, von dem ich einen Gutschein für eine Hand- und Armmassage hatte und eine Freundin mitnehmen durfte. Normalerweise mag ich es nicht, wenn mich Fremde anfassen aber ich dachte, dass ich das doch mal ausprobieren will. Natürlich war ich davor mächtig nervös und hatte natürlich Angst vor einer Bemerkung bezüglich meiner dünnen Arme. Aber es war sehr angenehm und das einzige was die Kosmetikerin meinte, war dass ich sehr kleine Hände hätte was ja auch stimmt und nicht negativ gemeint war. So hatten wir beide einen schönen Vormittag in der Stadt und sind sogar noch anschließend essen gegangen.

In den letzten Tagen schien es mir auch nicht so viel auszumachen, wenn das Gewicht etwas schwankte und die Welt war auch nicht am untergehen, wenn die Waage 200 Gramm mehr zeigte. Sogar Schokolade und Süßigkeiten konnte ich essen ohne dass ich mich zu sehr geschämt habe.

Leider hat sich – warum auch immer - seit 2 Tage das Blatt wieder gewendet. Plötzlich fühle ich mich wieder fett. Das liegt zum einen daran, dass ich plötzlich 1 Kilo mehr wiege und mein Bauch wieder so aufgebläht ist zum anderen ist es vielleicht auch eher unbewusst, da sich der 1. Todestag meiner Mutter nähert und ich doch wieder sehr an sie, an meine Kindheit und an den Gedanken keine gute Tochter gewesen zu sein komme.

Aber ich will keinen Jammer-Blog schreiben. Vom Kopf her weiß ich, dass die Gewichtszunahme eigentlich nur Wasser ist (ohne ausreichende Kalorienzufuhr nimmt man nicht plötzlich zu), der Februar und die Karnevalszeit (die ich nicht mag, die meine Mutter aber als Hobby hatte) gehen auch rum und ich werde nicht aufgeben und wenn der Frühling kommt hoffe ich dass ich mich wieder besser fühle.

5.2.18 13:15, kommentieren

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Der erste Tag im neuen Jahr

und ich sitze hier um 6.30 Uhr auf dem Sofa und beginne zu schreiben.

Um 4 Uhr morgens ist unser Besuch (die Eltern vom Freund unserer Tochter) nach Hause gegangen und ich habe bis eben die Küche auf Vordermann gebracht, nachdem ich vergeblich versucht habe zu schlafen.

Der Abend war eigentlich ganz schön, wir haben leckeres Essen gehabt (ich habe die Vorspeise zubereitet – Krabben auf Avocado-Curry-Creme mit Honigmelone und Dill) und ich konnte mich durchaus mit den anderen Speisen anfreunden und habe neben der Vorspeise, Suppe, Paneer mit Reis und Gemüse und als Nachtisch Obstsalat gegessen – zwar eine recht kleine Portion von allem aber immerhin ... Nach dem Essen haben wir alle miteinander Karaoke gesungen, was Spaß gemacht hat.

Nachdem wir mit einem Glas Sekt das neue Jahr begrüßt hatten, bin ich mit dem Wölfchen, das mittlerweile ziemlich Angst vor dem Knallen und Leuchten des Spektakels draußen hat, in den Keller ins Studio gegangen und habe mich mit ihm in einen Sessel gekuschelt und ihn mit streicheln etwas beruhigt. Die anderen sind derweil nach draußen gegangen und haben ein paar Raketen gestartet. Mir war es lieber das Wölfchen zu trösten, ich kann dem ganzen Feuerwerksgedöns nichts abgewinnen, mich macht das auch eher nervös.

Trotz des recht schönen Abends bin ich allerdings wieder mal schlaflos.

Vielleicht liegt es ja auch an dem letzten Kommentar meines Mannes als er ins Schlafzimmer kam und nicht mehr ganz nüchtern bemerkte, dass er von mir mehr Unterstützung gewollt hätte. Er meinte damit aber nicht die Arbeit, die dieser Abend erforderte, in der Küche und beim servieren der Speisen habe ich ausreichend mitgewirkt und anschließend alleine die Küche aufgeräumt. Nein, er fand den Vater von unserer Tochters Freund anstrengend und ich hätte ihm diesen mehr abnehmen müssen. Davon abgesehen, dass sich jener gerne mit ihm unterhalten wollte und ich nicht genau weiß, wie ich mich da hätte einbringen können, hat mich eigentlich die Tatsache gestört, dass als das neue Jahr gerade mal 4 Stunden alt war, ich schon wieder eine Kritik bekommen habe.

Wie immer habe ich nun schon wieder das Gefühl, nichts richtig machen zu können. Mein Mann findet eigentlich fast jeden Tag einen Grund für Kritik an meiner Person und ich fühle mich dann wieder so unfähig und schlecht.

Davon abgesehen bin in den letzten Tagen sehr oft schlaflos und mich quälen wieder so viele Gedanken so dass ich derzeit nachts aufräume, Wäsche wasche, lese oder einfach Fern schaue. Gegen Morgen gehe ich dann wieder ins Bett und schlafe noch 1-2 Stunden. Seltsamerweise bin ich auch nie mehr wirklich müde.

Gedanken mache ich mir bezüglich der Zukunft, wie es denn nun weiter gehen soll, was ich möchte, warum ich – jetzt wird’s meiner Meinung nach langweilig- immer noch in der Anorexie verharre und immer noch keinen Plan habe wie ich da jemals wieder rauskommen kann.

Die Therapie, die derzeit mache, dümpelt ebenfalls irgendwie ohne Ergebnisse vor sich hin und obwohl die Genehmigung für Therapiestunden nochmal verlängert wurden, habe ich jetzt nur noch alle 14 Tage Therapie, da ich momentan keine wirklichen Fortschritte mache.

Auch der Versuch mehr mit der Körperwahrnehmung zu arbeiten, war nicht wirklich von Erfolg gekrönt und ich konnte es schwer ertragen und nicht daran arbeiten als ich den wahren Umriss meines Körpers auf einem Packpapier gezeichnet sah und dieser nur die Hälfte davon war, was ich zuvor geschätzt selbst aufs Papier malte. Mein Gefühl hat sich komplett geweigert zu begreifen, was mein Verstand eigentlich weiß – das dieser schmale Umriss, mein Körper ist….

Von den meisten meiner Freundinnen habe ich mich derzeit zurückgezogen, weil ich glaube, dass sie sich mit mir langweilen und es keinen Spaß macht, mich als Freundin zu haben.

Ich habe mich zwar etwas mit meiner Sporttrainerin angefreundet, bin da aber auch eher zurückhaltend obwohl wir uns eigentlich gut verstehen – allerdings auch dadurch bedingt, dass sie auch anorektisch ist, allerdings schon viel weiter ist, was das Gewicht angeht - sie hat unterstes Normalgewicht, was sie auch braucht, da sie Vollzeit arbeitet und alleinerziehende Mutter zweier Töchter ist. Ihr muss ich wenigstens mein Essverhalten und meine Körperwahrnehmung nicht erklären und wir haben schon einige Male einen durchaus schönen Abend miteinander verbracht, was mich durchaus aufgemuntert hat. Allerdings ist sie – wie ich auch - etwas komplizierter und hat ebenfalls viele Ängste und Besonderheiten, was es für mich auch manchmal anstrengend macht auch wenn wir zum Glück auch Gesprächsthemen außerhalb unserer Probleme finden.

So schaue ich recht verhalten und nicht wirklich positiv ins neue Jahr. Meine eher bescheidenen Wünsche sind, dass ich für meinen mittlerweile sehr dementen Vater eine Lösung bezüglich Unterkunft und Unterstützung finde, dass meine Kinder gesund und glücklich bleiben und dass ich körperlich auch mit wenig Gewicht weiterhin für den Alltag funktioniere.

Vielleicht geschieht ja dieses Jahr noch ein Wunder und ich werde soo glücklich und zufrieden, dass ich Ana nicht mehr als Halt brauche…. Allerdings glaube ich schon länger nicht mehr an ein Wunder...

2 Kommentare 1.1.18 07:39, kommentieren



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